Was geht in meinem Kind vor?
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Da sagt man, DANKE !

 

„Wir sind gewohnt, Kinder als potentiell unsoziale Halbmenschen anzusehen.“

(Jesper Juul)

Wie sagt man da?

 

Mein Sohn (damals 2,5 Jahre alt) nimmt das Bonbon, welches ihm die Supermarkt-Kassiererin vor die Nase hält. „Na, wie sagt man da?“ fragt sie die berühmte Preisfrage.

Er dreht sich sofort zu mir und versteckt sein Gesicht, indem er es in meiner Jacke vergräbt. Ich sage zur Verkäuferin: „Danke für das Bonbon!“ Sie zieht ärgerlich die Augenbraue hoch und zischt:

“ Diese Kinder heutzutage haben überhaupt keinen Anstand mehr. Ist es denn so schwer sich zu bedanken?“

 

Dankbarkeit

 

Viele Menschen denken immer noch, dass durch die Frage „Wie heißt das Zauberwort?“ plötzlich Dankbarkeit im Kind entsteht. „Hokuspokus!“ ist die einzige sinnvolle Antwort auf so eine Frage.

„Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird.“
(Wikipedia)

 

Kann eine Haltung oder gar ein Gefühl durch Zwang entstehen?

 

Wir können getrost aufhören, dem Kind „Dankbarkeit“ beizubringen, denn dies ist gar nicht möglich und auch gar nicht nötig. Denn in unseren Kindern ist alles angelegt, wir dürfen vertrauen und es wachsen lassen.

 

Danke!

 

Den Ausdruck von Dankbarkeit, also das Wort „Danke“, können wir vorleben. Kinder lernen durch uns als Vorbild. Der Spruch, dass unsere Kinder keine Erziehung brauchen, weil sie uns ohnehin alles nachmachen, hat definitiv seine Berechtigung!

Kinder lernen ihr Verhalten nicht durch Zurechtweisungen, sie lernen durch Imitation. Sie lernen also das, was wir tun und leben. Und nicht das, was wir ihnen mit Worten eintrichtern wollen.

Ich habe niemals von meinem Sohn verlangt, dass er sich bei mir oder jemandem anderen bedanken muss. Viel mehr übernehme ich es für ihn, wenn es Gründe für ein „Danke“ gibt. Ich bedanke mich beispielsweise bei gefrusteten Kassiererinnen.

Außerdem sage ich meinem Sohn ein „Danke“, wenn er mir in seiner Küche ein wunderbares Menü kocht. Ich sage „Danke“ wenn er mir die Türe aufhält oder etwas für mich vom Boden aufhebt. Jeden Tag lebe ich ihm Freundlichkeit vor. Nicht damit er es lernt, sondern weil es einfach meine Art ist, mit Menschen umzugehen.

 

Was Hänschen nicht lernt …

 

Jetzt werden viele denken: „Aber später muss man doch auch höflich sein, sonst kommt man nicht weit im Leben!“

Um das Wort „Danke“ auszusprechen muss man kein Genie sein, oder?

 

Ich traue meinem Kind auch zu, dass er in einem gewissen Alter all die sozialen Höflichkeitsfloskeln verinnerlichen wird.

 

Bewahre die Dankbarkeit

 

Warum schenken wir unserem Kind etwas? Damit wir das Wort „Danke“ zu hören bekommen?

Also, ich schenke meine Kind etwas, um ihm eine Freude zu bereiten. Natürlich finde ich es schön, wenn mein Kind es wertschätzt und dies mit Worten ausdrückt.

Zwingt man sein Kind aber „Danke“ zu sagen, verliert das Kind Stück für Stück seine „echte“ Dankbarkeit, also jene die von Herzen kommt.

Mich gruselt es jedes Mal, wenn eine Mama zum Kind sagt: „Jetzt sag schön Danke!“ und das Kind dann ein blechernes „Danke“ herausquetscht.

 

 

Wie sieht´s in der Praxis aus?

 

Mein Kind ist inzwischen 4,5 Jahre alt. Er bedankt sich dafür, dass ich ihm etwas koche, er bedankt sich, wenn ich ihm etwas aufhebe, er bedankt sich, wenn ihm sein Papa hilft, er sagt „Danke“, wenn ihm sein Freund das Spielzeug zurückgibt.

Nein, er bedankt sich nicht bei jedem und für alles, doch wenn er es tut, dann kommt es ganz von innen.

 

Ich sehe mein herzensgutes Kind an und weiß, dass dieses „Herumerziehen“ nur ein Mangel an Vertrauen in unser Kind ist.

 

Wofür bist du dankbar?

 

Am Ende des Tages lasse ich mich in diese Meditation fallen. Mein Herz wird dann ganz warm, wenn alle die Dinge in mir hochkommen, wofür ich an diesem Tag dankbar bin. Echte Dankbarkeit macht definitiv glücklich! 

Magst du dich von Holger in einer Meditation begleiten lassen? 
Hier geht´s zur Dankbarkeits-Meditation

Von ganzem Herzen

 

„Danke für das Bonbon!“ sagt mein Sohn von ganzem Herzen. Dabei sieht er die Verkäuferin an und strahlt wie die Sonne höchstpersönlich. Sie ist sichtlich berührt und sagt: „Du bist aber ein freundlicher Junge!“

Ich habe meinen Sohn gefragt, warum er eigentlich „Danke“ sagt. „Na, weil sich die Verkäuferin dann freut!„, war seine wunderbare Antwort.

Alles Liebe

Andrea 

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Kategorie: Was geht in meinem Kind vor?

von

Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie kitschige Liebesfilme gehören zu meinen Leidenschaften. Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

2 Kommentare

  1. Sarah sagt

    Liebe Andrea.
    Ich bin genau Deiner Meinung dass unsere Kinder von Herzen gut sind und auch Dankbarkeit angeboren ist denn genau die habe ich schon in den Babyaugen meiner Kinder gesehen wenn sie weinend getragen oder gestillt wurden. Ich sehe aber auch eine Möglichkeit neben dem Vorleben zu erklären. Denn solange ein Kind nicht weiß dass die Verkäuferin sich über ein Danke freuen würde und dass Danke schon angebracht ist wenn man sich eben selbst über etwas freut kann mein Kind seinen Wortschatz weniger gezielt verwenden. Also sehe ich das so: Vorleben ja! Aber auch Erklären und niemals erzwingen!
    Danke für Deine Texte, sie regen mich zum Nachdenken in Bezug auf meine Kinder an, die ich meist nur nach Bauchgefühl bbehandle.
    Sarah

    • Andrea Schiefer sagt

      Liebe Sarah,

      ich meine, dass Kinder das erleben müssen. Wenn das Kind zu jemandem Danke sagt, dann wird es seine Freude sehen. Kinder sind Forscher, sie wollen es lieber erleben, anstatt erklärt zu bekommen 😉

      ich freue mich, dass dich meine Texte berühren <3

      Liebe Grüße
      Andrea

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