Achtsame Kommunikation, Kommunikation mit Kindern
Kommentare 10

Bedienst du noch, oder lebst du schon?

Bedienst du noch

Es geht heute um Kinder ab ca. 2,5 Jahren. Jüngere Kinder fühlen sich mit uns zu einer Einheit verbunden. Sie können entwicklungsbedingt die Bedürfnisaufschiebung nur begrenzt bewerkstelligen.

Das könnten Anzeichen sein, dass etwas auf der Beziehungsebene (zum Kind) falsch läuft:

 

  • Du willst/kannst nicht gut „NEIN“ zu deinem Kind sagen, obwohl du es fühlst.
  • Du erwischst dich oft, wie du dich nur halbherzig mit deinem Kind beschäftigst.
  • Du empfindest dein Kind oft eher als Belastung, als Bereicherung.
  • Dich ereilt öfters der Gedanke, dass du einfach abhauen willst. 😉
  • Du bist erleichtert, wenn dein Kind im Kindergarten, Schule, oder bei Freunden ist.

Ja, solche Gedanken tun so weh!

Eine Mutter/Ein Vater darf doch sowas nicht denken!

 

Meist verdrängen wir solche Gedanken sofort wieder. Doch, ob wir uns diese Gedanken erlauben oder nicht, sie sind da und beeinflussen unser Verhalten bzw. den Umgang mit unserem  dementsprechend.

 

Wir machen uns dann meist selbst zum Opfer oder geben gar unserem Kind die Schuld. Damit ist aber keinem geholfen!

ODER

 Wir übernehmen die Verantwortung für die Beziehung zu unserem Kind!
So schlüpfen wir aus der lähmenden Opferrolle.

 

Viele denken jetzt: Ja, immer sind die Eltern schuld!

Es geht mir in keinster Weise um Schuld, sondern um die MACHT etwas ändern zu können.

 

Kinder können weder die Verantwortung für die Atmosphäre in der Familie tragen, noch etwas grundsätzliches im Umgang in der Familie ändern. Nur wir Erwachsenen haben dazu die Möglichkeit. Die gute Nachricht:

Wir müssen also auf keinen anderen warten, bis sich was ändern kann. Wir können sofort damit loslegen! 🙂

 

Die Wurzel von allem Übel (die oben angeführten Punkte) könnte der Umgang mit uns selbst sein. Wir sind der Dreh- und Angelpunkt unseres Familienlebens. Wir kennen ja den Spruch

„Glückliche Eltern – Glückliche Kinder“.

Es gibt eine Fülle an Gründen, warum wir die oben genannte Sätze denken.

Ich mag mich heute mit dem folgenden Thema, als möglichem Grund, beschäftigen:

Die Vernachlässigung unserer persönlichen Grenzen, Bedürfnisse und Werte

 

Viele von uns (mich eingeschlossen) vergessen oft auf die eigenen Bedürfnisse (Grenzen, Werte) und denken, dass dies zum Wohle unseres Kindes geschieht. Wir wünschen uns ja ein „glückliches Kind“.

Wir mutieren zum Hotelpersonal. Die freundliche Dame an der Hotelrezeption ist stets bemüht die Wünsche des Gastes zu erfüllen. Sie zeigt Interesse, ist ausgesprochen zuvorkommend und versucht ihre negativen Gefühle nicht zu zeigen.

Der Gast ist König und hat immer recht.

 

Es besteht eine eher sachliche, servicebezogene Beziehung. Kein Hotel-Angestellter behelligt seinen Gast mit seinen Bedürfnisse und Wünschen. Es herrscht also eine einseitige Personal-Gast-Beziehung. Doch wollen wir wirklich eine solche „Service-Beziehung“ zu unserem Kind haben?

  • Ist unser Kind wirklich glücklich, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse vergessen?
  • Wünscht sich unser Kind etwa, dass wir es immer in den Mittelpunkt stellen?
  • Ist es förderlich für unsere Beziehung zum Kind, wenn wir als Person UN-SICHTBAR werden?

Wenn wir aufhören an uns selbst zu denken, bzw. mit dem Kind über unsere Bedürfnisse (Werte, Wünsche) zu sprechen, sind wir für unser Kind nicht mehr greifbar. So gibt es  keinen authentischen Kontakt zwischen uns und dem Kind. Es herrscht eben eine „Service-Beziehung“.

Wir sind das Vorbild unseres Kindes. Im schlimmsten Falle vermitteln wir Folgendes :

„Ich muss mich selbst vergessen und alle Bedürfnisse meines Gegenübers erfüllen.“

Außerdem wird das Kind nicht erfahren, dass andere Menschen auch Bedürfnisse und eigene Standpunkte haben. Es wird auch das „Nein-Sagen“ von uns nicht lernen können.

Nein, Kinder wollen kein Personal! Sie wollen ihre Erwachsenen mit all ihren Facetten kennen lernen. Nur dann kann eine echte Beziehung zwischen uns und dem Kind aufgebaut werden.

 

So das hätten wir geklärt 😉 Ich wollte dieses Bild vom „Servicepersonal“ sehr deutlich machen und habe es deswegen übertrieben dargestellt. Natürlich wird es nirgendwo eine „Reinform“ dieses Verhaltens geben, ich wollte damit aufzeigen, in welche Richtung unsere Reise besser nicht gehen sollte!

Wohin soll die Reise gehen?

 

Sie soll in eine gleichwürdige Beziehung zu unserem Kind führen:

Wir nehmen uns gegenseitig als individuelle Persönlichkeiten wahr.

Die wichtigsten Qualitäten, der Beziehung zum Kind

 

Jesper Juul nennt folgende Zutaten für eine authentische Beziehung zum Kind:

Proaktiv sein

 

Wir sind uns über unsere eigenen Werte und Ziele klar und handeln dementsprechend anstatt nur auf das zu reagieren, was das Kind sagt, oder tut.

Raus aus der „Servicehaltung“ und rein ins Leben! „Harmonie um jeden Preis“ ist ein Beziehungskiller (auch in der Beziehung zu unserem Partner). Denn so bleiben wir mit unseren Bedürfnissen auf der Strecke und unser Kind fühlt letztendlich sich einsam.

Ein Bild, welche eine „Servicebeziehung“ zeigen soll:

Die Mutter, der Vater, die Oma, der Opa und die Tante bilden einen Kreis. Das Kind steht in der Mitte vom Kreis.

Zum Vergleich ein Bild ,welches eine wahrhaftige authentische Beziehung untereinander zeigt:

Die Mutter, der Vater, die Oma, der Opa, die Tante UND das Kind bilden einen Kreis. Sie halten sich an den Händen. <3

„Wer immer im Mittelpunkt steht, der kann nicht dazu gehören“

 

Wenn ihr euch erwischt, wie ihr eine „Servicehaltung“ einnehmt, ist das schon ein wichtiger Schritt. Haltet inne und fragt euch was eurer Bedürfnis in diesem Moment ist. Ladet euer Kind zu einem Dialog ein. Geht in Beziehung mit eurem Kind, anstatt nur auf es zu reagieren.

Empathisch sein

Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale unseres Kindes zu erkennen und zu verstehen. Andererseits ist die Selbstempathie der Schlüssel zu einer bereichernden Beziehung. Denn, wenn wir mit uns selbst in Kontakt treten und liebevoll mit uns umgehen, können wir dies nach außen tragen.

Flexibel sein

Wir berücksichtigen Veränderungen und Entwicklungen beim Kind und auch bei uns selbst. Im Gegensatz zu „um jeden Preis konsequent sein“. Der Mensch soll immer wichtiger sein als die Regeln.

Fürsorglich und dialogbasiert sein

Das heißt, dass wir die Wünsche, Gedanken, Ideen, Bedürfnisse und Gefühle unseres Kindes, sowie auch unsere ernst nehmen und auch berücksichtigen. Wir werden uns bewusst, was wir wollen und gehen in einen Dialog mit unserem Kind um auch den Standpunkt unseres Kindes kennen zu lernen. Wir streben eine Lösung an die für uns beide passend ist.

Sich zeigen

Wenn wir eine Begleitung für unser Kinder ermöglichen wollen, die auf der Gleichwürdigkeit aller Familienmitgliedern basiert, dann müssen wir für ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen von den Familienmitgliedern sorgen.

 

„Seien Sie als Eltern ein authentisches Vorbild, was Ihre eigenen Grenzen anbelangt. Wenn Kinder sehen, dass Eltern jeden Tag etwas machen, was sie eigentlich nicht machen möchten, und immer frustrierter werden, ist das kaum ein konstruktives Vorbild.“

Jesper Juul

Alternativen finden: Ich versuche stets Lösungen zu finden, welche die Bedürfnisse von uns beiden erfüllen. Wenn es wirklich nicht möglich ist, bin ich für mein Kind da. 

Wenn wir kein “NEIN“ zu unserem Kind sagen, können wir auch nicht aus vollem Herzen “JA” sagen. Das gilt für die Beziehung zum Kind und auch in der Beziehung zum Partner. Ich finde es so wichtig, dass wir in uns gehen und nachsehen was da wirklich  ist. Es gibt meist eine Lösung welche für uns beide passt. Und ich kann auch schauen: Wer leidet mehr. 

Doch es kann trotzdem passieren, dass keine Lösung gefunden werden kann. 

Zeigen wir unsere Persönlichkeit und positionieren uns. „Ich will nicht, dass du alleine auf die Straße gehst!“ Natürlich kann es sein, dass wir uns dadurch für einen Moment unbeliebt bei unserem Kind machen. Oft ist es für Eltern das Schlimmste, wenn das Kind lauthals schreit „BLÖDE MAMA!“. Es fühlt sich oft wie eine Ablehnung von uns selbst an. Doch was meint das Kind wirklich?

Unser Kind hat in diesem Punkt eine andere Meinung. Es findet unseren Standpunkt blöd.

 

Nicht mehr und nicht weniger. Wir können in seiner Wut für das Kind da sein und das Kind annehmen wie es ist, ohne uns als schlechte Eltern zu fühlen. Denn nur so können wir es empathisch begleiten. 

Ja, auch wir Eltern dürfen weinen und wütend sein und so unsere Gefühle zeigen. Solange wir in der „ICH-Sprache“ bleiben und das Kind nicht angreifen oder beschämen, gibt es keinen Grund uns zu verstellen.

„Ja-Sagen“ aus den falschen Gründen

Hier ist ein ehrliches NEIN die bessere Wahl:

Ich sage „JA“ damit ich einen Konflikt umgehe!

 

Wenn wir öfter aus diesem Grund „JA“ sagen (obwohl wir „NEIN“ meinen) entsteht eine ungünstige Schieflage in der Beziehung zum Kind. Das Kind wird dann oft zum Schuldigen gemacht. „Nur wegen dir…“ oder „Immer muss es nach deinem Kopf gehen… “ sind Sätze die dann den Kinder zu unrecht an den Kopf geworfen werden.

Unsere Kinder übernehmen so (ungewollt) die Führung, was weder dem Kind noch uns gut tut. Es liegt hier an uns, eine Lösung zu finden, ohne unsere Werte (Bedürfnisse) zu vergessen. Wir könnten Alternative anbieten und einen Weg finden der für beide passend ist.

Ja, manchmal gibt es Situationen in denen keine gemeinsame Lösung möglich ist. Uns bleibt dann nur, empathisch der Wut unseres Kind zu begegnen und einfach da zu sein.

Beispiel:

Mein Herzensglückskind liebt es, wenn ich ihm beim Spielen zuschaue.

Ich sitze am Schreibtisch und will meinen Beitrag endlich fertig schreiben, die letzten Tage kam ich einfach nicht dazu. Ich tippe gerade den ersten Satz zu Ende. Da tönt es aus dem Wohnzimmer „MAMA, komm!“ Ich denke naja, dann schau ich halt kurz rüber. Mein Sohn hat einen riesigen Legoturm gebaut. Er erklärt mir ausführlich wie die Giraffe am besten auf die Spitze des Turmes klettern kann.

Ich finde es sehr süß und gehe wieder Richtung Schreibtisch. Drei getippte Wörter später ruft er mich zum zweiten Mal zu sich, ich werde Augenzeuge wie ein Hund den Legoturm erklimmt.  Jetzt gehe ich zum dritten Mal zu ihm, ich spüre ich einen leichten Widerstand in mir. Der Beitrag ist mir wichtig, ich will nicht unterbrochen werden.

Mit jedem Schritt wächst mein Ärger. Doch wenn ich jetzt die Schuld für meinen Ärger bei meinem Sohn suche, führt das in eine Sackgasse. Also, lasse ich mir zeigen wie der Löwe den Turm hochklettert. Dann sage ich zu meinem Herzensglückskind: „Wow, der Löwe ist ja ein Meister im Klettern!“ Mein Sohn nickt eifrig. „Nachher zeig ich dir, wie der Esel den Turm hochkraxelt.“

Ich schüttle den Kopf und sage: „Ich will meinen Artikel jetzt fertig schreiben. Ich mag nicht mehr herkommen.“ Mein Sohn sagt sehr ärgerlich „Dumme Mama, ich will dass du zuschaust!“. Ich fühle mich in ihn ein: „Es ist dir wichtig, dass ich sehe wie der Esel hochklettert. Wie können wir einen Lösung finden, womit wir beide zufrieden sind?“ Jeder von uns hat seine Vorschläge eingebracht.

Mein Sohn sagt dann, dass ich doch mit meinem Handy einen Film machen kann und ihn mir  nachher ansehen kann. Diese schlaue Idee wandelten wir in folgende Lösung um:

Das Herzensglückskind macht Fotos mit dem Tablet, welche ich mir nachher ansehen kann.

 

Ich sage „JA“ damit mich mein Kind mehr liebt!

 

Dein Kind liebt dich!

Immer.

Dein Kind liebt DICH und nicht deine Taten. 

Der Gedanke nicht mehr geliebt zu werden, wenn ich eine Bitte abschlage, kommt meist aus unserer Kindheit. Vielleicht haben deine Eltern gesagt: „Wenn du nicht brav bist, hab ich dich nicht mehr lieb!“. Solche Sätze (bzw. die Haltung dahinter) aus deiner Kindheit, beeinflusst dein Leben meist sehr nachhaltig.

Falls es dir so geht, lade ich dich ein, dich mit deinem inneren Kind zu beschäftigen. Reflektiere deine Kindheit! Alles was wir uns bewusst machen, beeinflusst unser Leben nicht mehr so stark! (ganz unten habe ich einen Buchtipp dazu)

Hattest du eine schlimme, schmerzhafte Kindheit?

Ich möchte dich ermutigen, dir professionelle Hilfe bei der Aufarbeitung deiner Kindheit zu suchen.

Ich sage „Ja“ in einem genervten Ton (weil ich eigentlich „Nein“ meine)

 

Nein, das Kind bekommt so nicht, das was es will. Es spürt, dass da etwas nicht stimmt. Es fühlt sich schuldig, dass es mir deshalb nicht gut geht. Unsere Mimik und der Tonfall, stimmen mit dem was wir sagen nicht überein. Eine solche, in sich unstimmige Botschaft wird „Double Bind“ genannt.

Das Kind ist existenziell auf uns Eltern angewiesen. Wenn wir jetzt öfters solche Botschaften aussenden, wird das Kind unsicher in Bezug auf die Beziehung zu uns. Unsere Kinder brauchen die Beziehung zu uns (sie ist für sie lebensnotwendig!), deshalb ignorieren sie ihre eigenen Wahrnehmungen und Gefühle um die Verbindung zu uns zu sichern. Das kann soweit führen, dass das Kind daraus schließt: „Ich darf keine Wünsche mehr äußern.“ oder im schlimmsten Fall „Ich bin falsch.“

Das Kind kann jetzt nur noch verlieren.
Reagiert es auf das JA, spürt es den Groll des Erwachsenen, obwohl dieser zugestimmt hat.

 

Beispiel:

Erich fragt seine Mutter: „Kann ich noch ein Eis haben?“

Die Mutter sagt leicht ärgerlich: „Nein.“
Sie hat ihm schon vor 5 Minuten ein Eis gekauft. Sie möchte nicht, dass er noch eines isst.

Erich gibt nicht so schnell auf. Er sagt energisch: „Ich will aber noch ein Eis!“
(Zum Nachdenken: Im Erwachsenenalter wird Zielstrebigkeit als Tugend gewertet, nicht aber bei Kindern, da nennen wir es frech.)

Die Mutter sagt wütend: „Immer musst es nach deinem Kopf gehen, da hast du dein blödes Eis!“

Die Mutter lässt sich in die Opferrolle plumpsen. Sie gibt dem Kind die Schuld für ihren Ärger, welche das Kind nicht tragen kann!

Kann Erich sein ersehntes Eis jetzt noch genießen?

Erich ist verwirrt, die Mama sagt JA und gleichzeitig NEIN. Erich fühlt sich falsch. Er hat seinen Wunsch ausgesprochen und das hat seine Mutter wütend gemacht.

Die Mutter alleine trägt die Verantwortung für die Qualität der Beziehung zu ihrem Kind. Sie hätte ihr eigenes „Nein“ zum Eis ernst nehmen können. Sie hätte Erich ein freundliches „Nein“ sagen können und wäre dabei geblieben.  

Dann hätte sie von ihren Werten bzw ihren Ängsten sprechen können: „Nein, ich möchte nicht, dass du noch ein Eis isst, weil mir eine Ernährung mit wenig künstlichem Zucker wichtig ist.“

Klar, das frustriert Erich, doch dieser Frust verletzt seine Psyche nicht. Er als Person, wird nicht falsch gemacht. Erich findet es blöd, dass die Mutter kein Eis kauft. Das ist sein Recht. Die Mutter kann seinen Frust aushalten und für ihn, in seiner Wut da sein.

Sie könnte in einem Dialog Alternativen anbieten bzw. das Kind um Ideen fragen. „Sollen zuhause selbst Eis machen?“ Sie könnten sich gemeinsam auf die Suche nach dem Bedürfnis, welches hinter dem Wunsch nach einem Eis steht, machen. „Willst du vielleicht was Kaltes im Mund spüren, magst du einen Eiswürfel?“ oder „Magst du eine Dattel haben, geht es dir um den süßen Geschmack.“ oder „Geht es dir um die Tüte, magst du eine haben?“ 

Oder aber, die Mutter überdenkt ihren Glaubenssatz „Man darf nur ein Eis essen!“. Warum sollte sie ihm kein Zweites kaufen? Kinder haben meist ein guten Gespür, was ihnen gut tut und was nicht.  Mein Sohn stopft die Süßigkeiten nicht wahllos und gierig in sich rein. Wenn er noch ein Eis möchte, kriegt er noch eins. Doch nur selten isst er es auf.  

Ja, es gibt Momente in denen viele keine Alternative finden. Alles was unser Kind dann braucht, ist unsere Empathie. „Du findest es so blöd, dass ich dir kein Eis kaufen will.“.

Ein „Nein“ ist immer auch ein „Ja“ zu etwas anderem

 

Jedes meiner Beispiele ist individuell. Beim Letzteren ging es um eine Mutter, der es wichtig ist, dass ihr Kind wenig Zucker zu sich nimmt. Sie hat vielleicht Angst, dass der Zucker ihrem Kind schaden könnte bzw. dass das Kind wahllos in sich reinstopft. Meist fühlen Kinder, welche im  Zuckerkonsum reguliert werden, nicht, was ihrem Köper gut tut, weil sie es so nicht lernen konnten. 

Das Beispiel könnte in eine ganz andere Richtung gehen, bei einer anderen Mama, welche andere Werte, Glaubenssätze oder Ängste in sich trägt.

Wir tragen die Verantwortung für uns

 

Wir sind die Erwachsenen, wir sind selbst für die Erfüllung unserer Bedürfnisse verantwortlich. Wenn ich mich überfordert fühle, müssen sich nicht die Kinder ändern, ICH muss mich um Hilfe kümmern.

Mein Kind reagiert mit seinem Verhalten lediglich auf das Zusammenleben in der Familie (Kindergarten, Schule).

Wir können unsere Wünsche und Gedanken unseren Kindern täglich vermitteln, so werden wir als authentische Personen wahrgenommen, das Kind kann uns kennen lernen.

Künstliche Grenzen – Nein Danke!

 

Ich möchte auch in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass ich nichts davon halte, dem Kind künstliche Grenzen zu setzen. Es geht mir um die PERSÖNLICHEN Grenzen.

Ich möchte Eltern die sehr oft „NEIN“ zu ihrem Kind sagen, ermuntern sich zu fragen, welche Glaubenssätze dahinter stecken. Denn „Das Kind muss lernen, dass es nicht immer nach seinem Kopf geht!“ ist KEINE persönliche Grenze. Das ist lediglich Dressur.

Für das Kind gibt es unzählige natürliche Grenzen, wir müssen ihm keine vorlügen.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass unsere Kinder Forscher sind. Sie möchten die Welt entdecken! Zum Beispiel ist es besser ein Kind selbst erfahren zu lassen, was es bedeutet im Winter ohne Schuhe raus zu gehen, anstatt sie ihm gewaltsam anzuziehen, wenn es sich weigert. Selbstverständlich nehme ich die Schuhe mit, um sie bei Bedarf anzuziehen.

Kein Kind braucht künstliche Grenzen, sie brauchen authentische Eltern, die zu sich selbst stehen.

 

Wenn du dein Kind aus vollstem Herzen und gerne „bedienst“, gibt es daran absolut nichts zum aussetzen. Mein Herzensglückskind und ich haben es uns zum zum Beispiel zum Ritual gemacht, dass ich ihm Schuhe und Jacke am Morgen anziehe. Mein Sohn fühlt sich in diesem Moment liebevoll umsorgt, ich genieße das Kuscheln dabei. Er kann sich bereits selbst anziehen, was er tagsüber auch macht. Es ist doch auch ein schönes Gefühl, wenn mich mein Mann bedient und mir einen Kaffee bringt (obwohl ich schon selbst Kaffe machen kann 🙂 ).

Wenn ich meinen ganzen Artikel zu einem Satz kürzen müsste, wäre es dieser:

 

Sag Ja, wenn du Ja meinst, und Nein, wenn du Nein meinst. Und wenn du zweifelst, gibt dir Zeit zum Nachdenken.

frei nach Jesper Juul

In diesem Sinne:

Zeigt euch, mit all euren Facetten! <3

Alles Liebe

Andrea

 

Nutze deine Wut!

Schreist du dein Kind an und tut es dir anschließend leid?
Hast du das Gefühl nicht mehr du selbst zu sein, wenn dich die Wut überrollt? 

Das kostenlose E-Book „6 Wut-Tipps für Eltern“ enthält wirksame Möglichkeiten, wie du deine Wut zähmen kannst und 2 Meditationen von Holger (vom Poesis-Institut) welche dir unter anderem helfen können, die Stärke der Wut zu nutzen!

Hol dir das kostenlose E-Book!

6 Wut-Tipps für Eltern

 

Bedienst du noch oder lebst du schon

Copyright Andrea Schiefer

Afilliate- Links:

Ich freue mich wenn ihr die Bücher über die folgenden Links bestellt und damit meinen Blog unterstützt. Euch entstehen dabei natürlich keine Extrakosten! <3

Quellen meines Beitrages:

Qualitäten, die für eine authentische Beziehung notwendig sind, könnt ihr in diesem Buch erfahren:
Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie

Hier könnt ihr mehr über die Service-Beziehung und Projektkinder (und das hier) nachlesen: Was unsere Kinder brauchen: 7 Werte für eine gelingende Eltern-Kind-Beziehung

Für eure Arbeit mit dem inneren Kind empfehle ich euch von Herzen das Buch Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme
empfehlen. Mit vielen einfühlsamen Übungen wird unser inneres Kind getröstet und gestärkt.

Kategorie: Achtsame Kommunikation, Kommunikation mit Kindern

von

Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie kitschige Liebesfilme gehören zu meinen Leidenschaften.
Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

10 Kommentare

  1. Melanie sagt

    Hallo Andrea,

    ich habe jetzt schon sehr viele deiner wundervollen Beiträge verschlungen. Du schreibst so toll, so interessant, so lustig, so einprägsam. Und du schreibst mir aus der Seele!

    Dieser Beitrag kam heute wie ein Geschenk des Himmels! Ja, alle am Anfang genannten Gedanken kenne ich. Leider. Ich habe auch das Gefühl, meine Kinder leben, und ich funktioniere irgendwie um sie herum. Aber ich arbeite daran.

    Eine Frage, die mir beim Lesen fast aller Beiträge immer wieder in den Sinn kommt: Auch wenn ich meine persönliche Grenze irgendwann mal kennen/spüren sollte, wie kann ich diese durchsetzen, ohne „Wenn/Dann“, ohne Druck, ohne Zwang?

    Und wie begleite ich meine Kinder empathisch in ihrer Wut?

    LG
    Melanie

    PS: Würde gern noch ausführlicher schreiben, aber das ist ein Krampf mit dem Handy 😉

    • Andrea Schiefer sagt

      Hallo Melanie,

      ich freue mich so, dass du meinen Blog magst <3

      Ja, wir wachsen jeden Tag an unseren Kindern. Ich hab so viel gelernt, seit mein Sohn da ist!

      Hast du da ein bestimmtes Beispiel im Kopf, was die persönlichen Grenzen angeht?

      Wenn ich meine persönliche Grenze wahrnehme, versuche ich erst mal mit meinem Sohn einen Weg zu finden, um es für beide passend zu machen. Wenn ich aufhöre gegen mein Kind zu kämpfen, eröffnen sich oft so viele Möglichkeiten! Mein Mantra ist dabei ist:

      "MEIN KIND TUT NICHTS GEGEN MICH, SONDERN NUR FÜR SICH, ICH BIN KEIN OPFER!"

      Wenn meinen Sohn die Wut überschwemmt, bin ich meist einfach nur da. "Ich bin in deiner Wut für dich da" Ich sehe den Ausdruck von Wut, ähnlich wie einen Stuhlgang: Alles muss raus. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Wut durch Ablenkung nicht verschwindet. Sie wartet einfach nur auf die nächste Möglichkeit. Gerade nach einem anstrengenden Tag, habe ich manchmal das Gefühl dass er Situationen hervorruft um die Wut (bzw. die Spannung) vom ganzen Tag rauszulassen.

      Liebste Grüße
      Andrea

  2. Priya sagt

    Einfach nur toll geschrieben! Eine Frage beschäftigt mich seit längerem, auf die du vielleicht eine Antwort hast: Unser Sohn darf bei uns zu Hause nur wenig Videos am Computer schauen. Bei Oma und Opa darf er oft und lang. Das ist schon so, dass wir gar nicht mehr in Ruhe essen können. Ich werde da gar nicht mehr gefragt, da er ab und an alleine bei ihnen ist und ich ja nicht da bin. Die Grosseltern agieren wie wenn wir Eltern nicht da wären und unser Sohn wird dann so vehement, dass mir das zu mühsam ist mich einzumischen, weil sie das ja angefangen haben. Wenn ich aber nein sage, dann eiert die Oma immer rum und meint, dass er doch ein bisschen schaun könnte. Oder sie versucht mir den schwarzen Peter zuzuschieben.
    Vielleicht kannst du mir da weiterhelfen. Danke!!!

    • Andrea Schiefer sagt

      Liebe Priya,

      ich würde mich für seine derzeitige Leidenschaft erst mal interessieren. Was genau findet er so spannend an den verschiedenen Videos, vielleicht kannst du ja mal mit ihm seine Filme schauen und es herausfinden. Welche Bedürfnisse erfüllt er sich damit? Ist es Unterhaltung, oder eine Art Entpannung, oder muss er vielleicht damit etwas kompensieren (Wie geht es ihm in der Familie? Im Kindergarten/Schule?).

      Dann würde ich mir selbst klar werden, was mich daran stört. Bist du in Sorge, weil er sich dann zuwenig bewegt, dass es für seine Augen ungesund ist, dass so der Kontakt zwischen euch abbricht, usw. Diese Sorgen würde ich dem Kind altersgerecht erzählen und es fragen, ob es Ideen für eine Lösung hat die für euch beide passt hat. Auch die Großeltern würde ich da miteinbeziehen.

      Ich denke, sobald wir unser Kind so annehmen wie es im Moment ist, hört der Kampf gegen es auf. Nur so können gleichwürdige, individuelle Lösungen gefunden werden.

      Ich wünsche dir von Herzen, dass ihr bald eine Lösung findet! <3

      Alles Liebe
      Andrea

  3. Wolke sagt

    Hallo!

    Ein schöner Blog Artikel.

    Mein Mann und ich sind schon in die Bediensteten Falle getappt. Ich muss allerdings zugeben das es für uns sehr schwierig ist unsere eigenen Bedürfnisse zu wahren, wie gelingt das Eltern mit mehr als 2 oder 3 Kindern?
    Für uns zumindest gestaltet sich das sehr schwierig, unsere jüngste ist 8 Monate alt, das nächste ältere Kind 3 Jahre, in den Wintermonaten ständig krank, wir haben eigentlich gar kein Leben mehr zu zweit. Dann lese ich solche Artikel, oder Artikel von J. Juul und denke mir:“ Ja, genau so ist es.“ Weiß aber auch das ich an der Situation nichts ändern kann, das ist frustrierend.

    Viele Grüße

    • Andrea Schiefer sagt

      Hallo Wolke,

      Ja, ich kann mir vorstellen dass da ganz wenig Zeit bleibt. Wenn bei uns stürmische Zeiten herrschen, konzentriere ich mich bewusst auf die kleinen Momente in denen wir unsere Zweisamkeit leben. Eine Umarmung nebenbei, ein Kuss zwischendurch, ein liebevoller Blick, oder eine kleine Geste die ich meinem Mann schenke (Liebesbotschaften auf einem Zettel zum Beispiel 😉 ).

      Ich achte auf die Momente in denen ich dasitze und meinen Kaffee trinke und ganz für mich bin (ist dieser Moment auch noch so kurz). Oder wenn ich im Auto sitze und in den hinteren Reihen Ruhe herrscht weil das Hörbuch gerade so spannend ist, dann atme ich durch und freue mich über einen Moment ganz für mich.

      All diese kleinen Momente sauge ich in mich rein und genieße sie in vollen Zügen.

      Ich wünsche dir ganz viel Kraft <3

      Alles Liebe
      Andrea

  4. Steffi Ringelrose sagt

    Liebe Andrea,
    in der Theorie ist mir das, was du schreibst, so vertraut… und entspricht auch meiner eigenen pädagogischen Orientierung. Ich finde sehr spannend, wie es dir gelingt, Juuls Gedanken auf dich und dein Leben anzuwenden. Und genau daran scheitere ich immer wieder. Bin doch unfreundlich/gestresst bei meinem Nein, auch wenn ich es dann in ein Ja umwandle, genau wie du es beschrieben hast.
    Ein Beispiel:
    Mein Sohn (5) ist recht fordernd und für ihn ist es sehr wichtig, dass man mit ihm spielt. Piraten, Ritter… Playmobil. Ich habe es als Kind selbst sehr geliebt, aber jetzt merke ich einen großen Widerwillen gegen solche Rollenspiele. Ich lese ihm gern vor, baue Eisenbahn-, Lego-Playmowelten auf, bastele auch Schiffe oder ähnliches aus Kartons. Aber wenn wir so eine Stunde Zeit verbracht haben, hat er das Gefühl, jetzt geht es richtig los und wir spielen… und ich denke, jetzt hab ich mir einen Kaffee verdient. Auch vorheriges Ankündigen hilft nicht… und wir sind beide frustriert.
    Mit meiner Tochter (3) fällt es mir so viel leichter, weil sie über Kuscheln bei mir auftankt und sich die Aufmerksamkeit holt, die sie braucht. Sie ist sehr in sich ruhend und kann prima alleine spielen… und alle Herzen fliegen ihr zu.
    Mein Sohn dagegen wirkt auch auf andere eher anstrengend, da er viel an Aufmerksamkeit fordert. Ich habe Sorge, dass er einfach nicht „satt“ wird.

    Herzlich,
    Steffi

    • Andrea Schiefer sagt

      Liebe Steffi,

      ich freue mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt.

      Es ist so wunderbar, wenn man sich selbst dabei ertappt. Nur wenn man sich vorher damit beschäftigt hat, weiß man, dass sein eigenes Verhalten nicht optimal war. Es ist ein Prozess, so war es auch bei mir. Anfangs wusste ich es im Nachhinein, also dass ich blöd gehandelt hab. Dann merkte ich es schon, wenn ich gerade dabei war. Irgendwann konnte ich mich schon im Vorhinein davon abhalten wieder Ja zu sagen obwohl ich Nein meine.
      Wenn ich mein Kind ungerecht behandle, sage ich ihm aus vollstem Herzen, dass es mir leid tut und dass es nicht Ok war, dass ich ihn (zum Beispiel) angeschrien hab.

      Ich finde es ok, wenn du keine Rollenspiele magst. Diese würde ich auch nicht mit deinem Kind spielen, Kinder haben so feine Antennen und beziehen alles auf sich. Im blödesten Falle denkt er, dass an ihm etwas falsch ist. Du hast außerdem auch ein Recht darauf, dass du nichts tun musst, was dir widerstrebt <3

      Es hört sich so an, als hättest du die intuitive Verbindung zu deiner Tochter, dies hat nichts damit zu tun, dass du sie mehr liebst. Es ist eine Verbindung, welche seit der Geburt deiner Tochter besteht, ihr fühlt euch verbunden, ohne dass ihr viel dafür tun müsst. Jesper Juul hat ein Essay darüber geschrieben, ich fand es sehr interessant.

      Dein Sohn fühlt sich auf eine Art und Weise geliebt als deine Tochter. Ich würde mit ihm einen Dialog führen und ihn fragen, durch was er sich von dir geliebt fühlt. Kinder wissen dies meist sehr genau. 🙂

      Ich finde du klingst so reflektiert und gibst dich so deinen Kindern hin, wie schön. Schenk dir selbst ganz viel Mitgefühl und sei gut zu dir, ja?

      Liebe Grüße
      Andrea

Ich freue mich auf einen Kommentar von dir!