Achtsame Kommunikation, Kommunikation mit Kindern
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Hilf deinem Kind emotionale Erlebnisse zu verarbeiten

Angsteinflößende, enttäuschende oder traurige Erlebnisse

Erlebnisse mit starken Gefühlen verarbeiten

(Das kindliche Gehirn)

 

In meinem letzten Beitrag ging es unter anderem um die Vernetzung der rechten mit der linken Gehirnhälfte. Hier ist der Beitrag zum Nachlesen: Was geht wirklich in unseren Kleinkindern vor?

In diesem Beitrag will ich euch noch mehr über das kindliche Gehirn und Möglichkeiten unseren Kindern zu begegnen, berichten.

Benennen, um es zu zähmen – starke Gefühle beruhigen

 

Unser Kind stürzt mit seinem Fahrrad, es verliert sein geliebtes Haustier, das Kind erlebt einen Autounfall mit, es geht im Kaufhaus verloren, ein anderes Kind verletzt es, ein Hund schnappt nach ihm …

Wenn unsere Kinder schmerzhafte, enttäuschende oder angstauslösende Momente erleben, werden sie meist davon überwältigt. Die rechte Hirnhälfte überschwemmt das Kind mit großen Emotionen und Körperempfindungen, es bleibt förmlich in seinen Gefühlen hängen.

Wir Eltern können jetzt der Fels in der Brandung sein, indem wir unserem Kind helfen seine logische, linke Gehirnhälfte zu integrieren, um seine Gefühle zu ordnen. Eine für das Kind sehr heilende Wirkung, hat das gemeinsame Erzählen der angstauslösenden oder schmerzvollen Erfahrung.

Beispiel:

Im Einkaufscenter fand ich plötzlich mein Herzensglückskind nicht mehr. Er hatte in einer Auslage eine Eisenbahn entdeckt und konnte nicht widerstehen. Er lief aus dem Supermarkt, hin zum Schaufenster. Als er mich dann nicht mehr finden konnte, geriet er ihn Panik und rief nach mir. Ich habe ihn gehört und eilte zu ihm. Wir waren beide überglücklich uns wiedergefunden zu haben.

Am nächsten Tag war er sehr anhänglich und wich mir nicht mehr von der Seite. Sogar aufs Klo folgte er mir. Er war weinerlich und sehr darauf bedacht immer meiner Nähe zu sein. Dies wiederholte sich auch an den folgenden Tagen.

Ich begann ein Gespräch mit ihm und stellte fest, dass unser Erlebnis im Supermarkt Spuren beim ihm hinterlassen hatte. Immer wenn ich mich von ihm auch auch nur ein kleines Stück entfernte, aktivierte sich seine, im Supermarkt empfundene, Angst. So erzählte ich mit ihm die Geschichte:

Ich: Weißt du noch, wie wir vor ein paar Tagen im Supermarkt einkaufen waren. Du hast gesagt, dass du die Kartoffeln holst, doch dann hast du die Eisenbahn im Schaufenster nebenan entdeckt und bist hingelaufen.”

Herzensglückskind: “Ja, der Zug ist durch einen Tunnel gefahren und in einem Wagon waren braune Kühe.”

Ich: “Es hat dir wahrscheinlich sehr gefallen, dass der Zug im Tunnel verschwunden ist und am anderen Ende wieder rausgekommen ist. Wolltest du dann wieder zu mir kommen?”

Herzensglückskind: “Ja, du warst aber nicht mehr bei der Brotfrau,  sie hat gesagt, dass ich nicht weinen brauche.”

Ich: “Es hat dir bestimmt Angst gemacht, dass du mich nicht mehr gefunden hast. Weinen hilft, es macht dass es dir besser geht. Ich habe dich auch gesucht, deshalb war ich nicht mehr in der Brotabteilung.”

Herzensgückskind: “Ja, ich habe gedacht, dass ich dich nie mehr finde. Die Frau hat mich gefragt wo meine Mama ist, dann habe ich laut: MAMA! geschrien.”

Ich: “Das habe ich gehört, so wusste ich wo du bist. Ich habe dich gleich hochgenommen, wir haben uns fest gedrückt und uns gefreut, dass wir uns wieder gefunden haben. Ich war so erleichtert.”

Herzensglückskind: “Ich geh jetzt spielen, Mama.”

An zwei weiteren Tagen haben wir diese Geschichte nochmals gemeinsam erzählt. Seine Angst hat sich dann aufgelöst.

Was ist passiert?

 

Die linke Hirnhälfte wurde aktiviert, indem mein Sohn die genauen Details beschrieb, sie in eine (zeitliche) Reihenfolge brachte und seine angstvollen Erfahrungen in Worten ausdrückte. Dann aktivierte er auch seine rechte Hirnhälfte, in dem er nochmals seine Emotion, also die Angst, erlebte, die er damals hatte. Er konnte nun sehen, dass er im Moment nicht “verloren” ist und jetzt keine “Gefahr” mehr besteht.

So können wir unseren Kindern helfen, ihre Ängste und Emotionen zu benennen, damit sie sie zähmen können. Die linke und die rechte Gehirnhälfte arbeiten dann zusammen und so löst sich die Angst auf.

Wie soll ich das Geschichtenerzählen anfangen?

 

Wenn unsere Kinder ihre Geschichte nicht erzählen wollen, ist es wichtig, dass sie dazu nicht gedrängt werden. Wir können auch versuchen, selbst anzufangen die Geschichte zu erzählen. Natürlich muss diese sehr einfühlsam beschrieben werden. Wichtig ist, dass wir dabei viel Raum für die Ergänzungen des Kindes lassen. Wir können unser Kind bitten, die Geschichte zu vervollständigen.

Bei kleineren Kindern, dessen Sprachfähigkeit noch nicht ausgebildet ist, können wir alleine die Geschichte einfühlsam erzählen. Als mein Sohn noch kleiner war, habe ich ihm nach seinen Stürzen oft den Ablauf des Unfalls erzählt und dabei versucht seine Körperempfindungen und Gefühle zu erraten.

Am besten sprechen wir mit dem Kind, wenn es nebenbei etwas anderes macht. Mein Sohn und ich führen die tiefgründigsten Gespräche, wenn wir nebenbei einen Legoturm bauen. Andere Möglichkeiten sind zum Beispiel beim Autofahren, beim Karten spielen, beim Spazierengehen …

Wir können das Kind auch fragen, ob es ein Bild des Ereignisses malen möchte, oder (wenn es schon größer ist) etwas darüber schreiben mag. Wenn unser Kind nicht mit uns darüber reden will, können wir es dazu ermutigen mit jemand anderem darüber zu sprechen. Mit einem Freund, einem anderen Erwachsenen, also jemandem dem es vertraut.

Warum ist so ein Gespräch so wichtig?

 

Besonders, wenn unsere Kinder durch ein Ereignis starke Gefühle erleben, brauchen sie uns um ihre linke Hirnhälfte zu aktivieren.

Die rechte Seite unseres Gehirns verarbeitet unsere Emotionen und Erinnerungen, doch die linke Gehirnhälfte ist es, die diesen Gefühlen einen Sinn gibt. Denn sie hilft die Dinge einzuordnen und die angstauslösenden Gefühle zu benennen.

Wenn das Kind seine Geschichte erzählt, muss die linke Gehirnhälfte durch Worte und Logik die Dinge ordnen. Dadurch werden die Gefühle “gezähmt” und das Kind kann sich selbst besser verstehen und ertrinkt nicht mehr in seinen Gefühlen. In der Folge beruhigt sich das Kind.

Solche Gespräche, über verstörende Ereignisse sind für Kinder in jedem Alter wichtig. Manchmal neigen wir dazu, es zu vermeiden über diese Erfahrung zu reden, weil wir denken, dass es davon schlimmer wird. Im Gegenteil, wenn wir nicht darüber sprechen, kann die Angst (Trauer, Wut, …)  des Kindes wachsen und unter anderem auch zu einem Vermeidungsverhalten führen.

Ich wünsche euch viele heilende Gespräche und innige Momente.

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Alles Liebe

Andrea

Quelle: “Achtsame Kommunikation mit Kindern – 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes” 3. Auflage 2016 – Arbor Verlag

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!Die teils grausigen Erziehungstipps würde ich allerdings ignorieren! 😉

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4 Kommentare

  1. Liebe Andrea! So gern lese ich deine Artikel. Danke für deinen Beitrag, er ist wunderbar & so so wichtig. ❤️

    • Andrea sagt

      Danke, Stephie, für deine Rückmeldung! Ich freue mich ❤️

      Liebe Grüße
      Andrea

  2. Liebe Andrea, danke für diesen schönen und lebendigen Artikel! Ich merke selbst bei unserem Kleinen (13 Monate), wie wichtig es ist, das Geschehene nochmal zu besprechen und damit in einen Zusammenhang zu rücken. Wenn er sich weh getan hat, halte ich ihn, bis das Weinen und der Schmerz nachlässt, und zeige ihm dann nochmal, wo er sich gestoßen hat, wie das passiert ist, benenne den Schmerz usw. Schon bei diesem kleinen Menschen habe ich das Gefühl, dass es ihm hilft, das Ganze einzuordnen und sich und seine Gefühle zu “sortieren”. Wie wichtig ist es dann erst bei einem Vorfall wie eurem Einkaufserlebnis! Schade, dass in so vielen Köpfen immer noch die Annahme herrscht, man müsse das Kind schnell ablenken und bloß nicht daran “erinnern” was passiert ist, weil es dann noch schlimmer wird.. Wahrscheinlich hat es mit unserer menschlichen Unfähigkeit zu tun, Traurigkeit und Tränen aushalten zu können… Auch für Erwachsene, die Trauriges erlebt haben, empfinde ich es im Übrigen als sehr wichtig, dass auch für sie das Erzählen, um das Schreckliche zu bezähmen, noch Gültigkeit hat. Herzliche Grüße, Katharina

    • Andrea Schiefer sagt

      Liebe Katharina,

      vielen Lieben dank für dein schönes Feedback <3

      Schön, dass du deinen Sohn so empathisch begleitest und ihn nicht ablenkst von seinen Gefühlen. Wir Menschen haben es anscheindend in uns, bei starken Gefühlen sofort reißaus nehmen zu wollen.

      Dabei ist es doch so, dass jedes ausgedrückte Gefühl, losgelassen werden kann. Dagegen wachsen die unterdrückten Gefühle in uns weiter.

      Sonnige Grüße
      Andrea

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