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Räumt dein Kind freiwillig auf?

Räumt dein Kind freiwillig auf?

Ich will Ordnung!

 

Das Wohnzimmer gleicht einem Schlachtfeld. Mein Herzensglückskind verbrachte (im vorher picobello aufgeräumten Raum) nur kurze 15 Minuten.  

Erstaunlich, was sich in dieser kurzen Zeit machen lässt. Es liegen gefühlt, alle Spielsachen am Boden. Ich mache einen Schritt vorwärts und werde sofort von den Krallen eines Dinos gepiekst. 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nun in einen Wutteufel verwandeln soll oder mich in die Opferrolle plumsen lassen. 

Ich entscheide mich für eine Mischung … ein Wutopfer!

Verdammte Sch…, warum muss ich immer alles aufräumen !!??!!

Bin ich hier der Trottel für alles? Ich bin es so leid, allen alles hinterherräumen zu müssen. Ich könnte ausrasten, wenn meine mühselige Arbeit in nullkommanix wieder zunichte gemacht wird. Am liebsten würde ich das ganze blöde Spielzeug in die Tonne kippen. Es ist sowieso viel zu viel Zeugs in der Wohnung. Grrrrrrr! 

Mein innerer Dialog läuft auf Hochtouren. Und ich komme zum Schluss:

ICH HASSE AUFRÄUMEN, ICH HASSE ES!

 

So weit, so gut. 

Nach dem ich den Großteil von meinem Frust in meiner Fantasie beim Spielzeug zerstören gelassen hab, sage ich zu meinem Sohn:

„Wenn du fertig mit dem Spielen bist, will ich dass wir aufräumen!“

Herzensglückskind macht ein Gesicht als hätte er in eine Zitrone gebissen und sagt: „Nein das will ich nicht, ich hasse aufräumen!

Ich will schon wieder innerlich in die Luft gehen, als ich feststelle

… dass ich mir den Hass auf das Aufräumen mit meinem Kind teile. 

 

Frust-Aufräumen

 

Wenn ich aufräume, kommt in dieser Zeit kein einziges Lächeln über meine Lippen. Mein Gesicht sieht bestimmt wie 7-Tage-Regen aus. Innerlich jammere ich mir selbst die Hucke voll.

„Hach, es ist alles so viel Arbeit“, „Ich werde nie fertig.“, „Warum kann ich mir keine Reinigungskraft leisten?“ …

Wenn ich aufräume, darf mich auch keiner ansprechen. Meine Jungs wissen das. Denn aus meinem Mund sprudeln dann nur Ekel-Antworten wie: „Weiß ich doch nicht.“, „Siehst du nicht, dass ich hier zu tun hab?“, „Pffft, ist mir egal!“

Wenn ich aufräume, spannt sich mein Körper vor lauter Widerwillen fast schmerzhaft an. Meine Bewegungen sind ruckartig und fließen nicht. Ich atme flach … als könnte ich das Aufräumen damit beschleunigen. 

Wenn ich aufräume, hält man sich besser fern von mir. Und am liebsten würde ich auch vor mir selbst flüchten. 

 

In diesem Moment erinnere ich mich an den folgenden Spruch: 

„Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben – 
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins, 
die Wonne des Wachsens, die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum 
und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch – recht gelebt – 
macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück 
und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag.“

(aus dem Sanskrit)

 

Ich will auf den Tag achten!

 

Dieser Text lässt nach jedem Lesen eine Träne der Rührung bei mir kullern. Wir leben JETZT. Egal was wir tun.

Nö, ich lass mir keine Zeit mehr stehlen!

Ich entscheide mich dafür, all das negative Rum-Geeiere zum Thema „Aufräumen“ in den Wind zu schießen. Nicht morgen. Sondern sofort

 

Achtsames Erlebnis-Aufräumen

 

Mein Kind hat sich inzwischen (in weiser Voraussicht) ins Schlafzimmer verzogen. Um meinen Entschluss zu festigen, schüttle ich vorsorglich alles „Wäh, ich hasse Aufräumen“ ab. Es dauert eine Weile, bis wirklich alles von mir abfällt. 

Umringt von Dinosaurier, Kissen, Decken und sonstigem Zeugs zücke ich lässig mein Handy und lasse es Musik machen. „Beschwingte Songs“ heißt die Playlist. 

Ich atme tief durch und beschließe all meine Sinne am Aufräumen teilnehmen zu lassen. Immer hin ist es Lebenszeit, meine Lebenszeit. Also will ich auch was davon haben. 

Meine rechte Hand lässt sich auf einem T-Rex nieder. Er fühlt sich warm an. Denn er liegt an einer Stelle, auf welche die Sonne durch das Fenster scheint. In diesem Moment spüre die warme Sonne auf meiner Hand. Ich verliere mich kurz in der Unvorstellbarkeit, dass die Sonne ein brennender Ball ist, welcher so heiß ist, dass sie uns aus dieser großen Entfernung wärmt …

Doch da wirft meine Hand den Dino elegant in eine Kiste. Ich höre ein „Pock“. Was für ein seltsamer Ton. Bevor ich auf Vergleiche wie „Das klingt genau so, als wenn…. “ eingehen kann, schnappt sich meine Hand den nächsten Saurier. Um genau zu sein ist es ein Plesiosaurier. Der lebte im Wasser und fühlt sich kühl und glatt an. Ich streiche mit meinen Finger noch ein paar mal über seinen Rücken. Ich mag es gerne –  dieses Glatte. 

Nun legen meine Hände einen Zahn zu und nehmen mehrere Dinos und werfen sie zielsicher in die Kiste. Dieses Werfen lässt mich vor Freude innerlich glucksen. Jetzt fliegen auch die Kissen durchs Zimmer und landen fast an der richtigen Stelle auf der Couch. 

Oh, ich habe eine Stelle am Boden freigelegt, welche einen Joghurt-Klex enthüllt. „Wie kommt das Joghurt verdammt nochmal auf den Boden?“,  rufe ich innerlich in den Raum. Ups, ich habe doch beschlossen das Wutopfer davonfliegen zu lassen. O.K., ich erinnere mich schnell daran, auf den Tag zu achten.

Zugegeben, ein bisschen angespannt latsche ich zur Spüle und schnappe mir einen Schwamm und konzentriere mich wieder darauf zu (er)leben. Ich schnappe mir einen neuen Schwamm und lasse Wasser darauf fließen. Das kühle Wasser läuft auch über meine Handflächen. Ah, wie erfrischend! Ich schließe meine Augen um die angenehme Kühle besser wahrzunehmen. Ich höre achtsam das Wasser fließen. Irgendwie beruhigt mich das.

Memo an mich: Fließendes Wasser beruhigt mich. Hört sich komisch an. Stimmt aber!

Ich gehe beschwingt zum Fleck am Boden. Mit einem Wisch ist alles weg 😉

Fertig. 

Hm, es hat ein kleines bisschen Spaß gemacht. Wie wunderbar! Nö, diesmal habe ich keine Lebenszeit von mir verschwendet. 

 

 

2 Wochen später

 

Der Song „Happy“ von Pharrell Williams tönt durch unsere Wohnung. Ich tanze mit meinem Herzensglückskind durch die Gegend. Ich werfe ihm ein Kissen zu, welches er dann schwungvoll auf die Couch pfeffert. „VOLLTREFFER!!“ trällert er voller Freude. 

Er lässt sich auf den Boden fallen und ruft: „ACHTUNG! Der Dinozug holt alle Tiere ab! – Bitte einsteigen.“ Dann schnappt er sich einen Berg Dinos und wirft sie in die Kiste. Ähm, in den Zug natürlich. „Abfahrt!“, er schiebt die Kiste zur nächsten Dino-Ansammlung und lässt sie ebenfalls einsteigen. 

 

Das Ende der Geschichte …

 

Wenn ihr jetzt denkt, dass mein Kind von da an IMMER aufräumte, muss ich euch enttäuschen. Doch mein neues Mindset wirkt vielleicht nachhaltig auf ihn. Er verbindet jetzt nicht mehr diese Schwermütigkeit mit dem Aufräumen. Sondern Leichtigkeit und Freude. Dieser Hass auf das Aufräumen hat sich gründlich aus unseren Köpfen verabschiedet.

Ich mache Hausarbeit nicht mehr, sondern lebe Hausarbeit. 🙂 

So habe ich das „Achtsame Aufräumen“ in mein Leben geholt. Nur zur Sicherheit habe ich mir den Spruch von „Achte auf den Tag“ an die Pinwannd geheftet.

Um nicht zu vergessen, … dass ich alleine die Macht über meine Gedanken habe!

Alles Liebe 

Andrea

Noch was:
Das Schwierige an Konflikten ist gar nicht das Problem selbst, sondern dass wir die Verbindung zu uns selbst und dann zu unserem Kind unterbrechen. 

Mit Meditation kommst du wieder heim zu dir selbst. Du bist für dich da. Dann gelingt auch die Beziehung zu deinem Kind. 

In der Eltern-Meditationsreise schenkst du dir wertvolle „Ich-Zeit“. Du erkennst deine unerfüllten Bedürfnisse und kannst dann besser für dich sorgen. Meine Texte und Holgers Meditationen begleiten dich auf die Reise zu dir selbst. 

Hier kannst du dich anmelden: http://poesis-institut.de/eltern-meditationsreise/

 

Eltern-Meditationsreise

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Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie kitschige Liebesfilme gehören zu meinen Leidenschaften.
Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

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