Was kann ich für mich tun?
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Mein Kind will nicht heimgehen

Mein Kind will nicht heimgehen

Nein, ich will noch hier bleiben!
(Das Kind will nicht heimgehen)

 

An einem sonnigen Nachmittag auf einem Kinderspielplatz…

„Ich zähle bis 10! Dann kommst du da runter und wir gehen!“ kreischt eine Mama, welche ihr Kind mit diesen Worten zum Gehen bewegen will. „Zähl lieber bis hundert.“ denke ich still vor mich hin.

„Wenn du nicht sofort herkommst, dann kriegst du nachher eben kein Eis!“ sagt ein Papa mit grimmiger Miene zu seiner zuckersüßen Tochter. „Voll gemein!“ flutscht es aus mir heraus. Der Papa schaut mich verwirrt an, schüttelt den Kopf und geht.

„Komm jetzt endlich oder willst du mich traurig machen?“ sagt eine Mama mit leidendem Gesicht zu ihrem Sohn. Ich schaue hoch (sitze gerade am Boden, weil mein Sohn meine Füße im Sand eingräbt) und sage „Ich denke, er will nur spielen.“

 

Unverhofft kommt oft

(Mein Kind will nicht heimgehen)

Einen Tag später sitze ich vollkommen verzweifelt am Beckenrand des Thermenschwimmbeckens. In diesem Moment bin ICH stark versucht, bis zehn zu zählen oder eine fiese Erpressung auszusprechen.

Denn ich fühle zunehmend hilfloser.

Mein Sohn liebt schwimmen. Wenn es nach ihm ginge, könnte er den ganzen Tag und am liebsten auch noch die ganze Nacht im Wasser bleiben. Mein Mann läuft inzwischen neben dem Becken auf und ab, er ist sichtlich genervt. Das liegt daran, dass wir schon vor einer halben Stunde heimfahren wollten. „Komm endlich da raus!“ ruft er gereizt unserem Sohn zu. Zuhause wollte er so dringend einige Akten durchsehen. Ich verstehe ihn.

In der letzten halben Stunde beschäftigte ich mich mit Möglichkeiten, wie mein Sohn und ich länger bleiben könnten. Doch weder Bus noch ein Verwandter konnten uns anschließend heimbringen. Auf meine flehende Frage, „Wie lange willst du denn noch im Wasser bleiben?„, antwortet er mit: „Ich komm da nie wieder raus!“ Das klingt nicht so gut. Auch meinen Sohn kann ich so gut verstehen.

„Wir können ja nächste Woche wieder her kommen, was hältst du davon?“

„Nein, ich will aber JETZT schwimmen!“

„Ja, ich weiß, du schwimmst so gerne! Papa will jetzt heimfahren. Bitte kannst du rauskommen?

„NEIN!“

Auch auf diverse andere Vorschläge antwortet er mit einem fetten „NEIN!

 

Hilflosigkeit wirkt

 

Ich merke, wie sich meine Hilflosigkeit in mir verdoppelt. Am liebsten würde ich einfach gehen. Und den fiesen Spruch: „Dann geh ich eben ohne dich. Tschüss!“ ablassen. Nach einem tiefen Atemzug weiß ich:

Nein, ich werde meinem Kind auf keinen Fall Angst machen, nur damit ich mein Ziel erreiche.

Auf Unterstützung von meinem Mann kann ich im Moment nicht hoffen. Denn, ich kann seine Anspannung förmlich wachsen sehen. „Was würdest du noch gerne machen, bevor wir gehen?“ frage ich hoffnungsvoll meine kleine Wasserratte. „Mama, ich will NICHT gehen!“ Der winzige Hoffnungsschimmer verpufft in der schwülen Hallenbadluft.

Jede Faser meines Körpers will meine Macht ausnutzen und meinem Kind sagen: „Wenn du jetzt nicht rauskommst, dann darfst du heute nicht mehr fernsehen. In diesem Moment umarme ich mich selbst. Mich und meine fiesen Gedanken nehme ich wohlwollend an, um mir dann echte Empathie schenken zu können.

Es ist ok, du bist ok. Du fühlst dich gerade so machtlos – vollkommen fremdbestimmt. Du sehnst dich nach Selbstbestimmung.“ Ich atme, die unerträgliche Enge in meinem Brustkorb löst sich ein Stück weit.

 

Ich sorge gut für mich

 

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Ich mache mich leer

 

Ich nehme meine Uhr ab und steige ins Becken. Folgendes lasse ich am Beckenrand zurück:

 

  •  Alle meine negativen Gedanken über das Verhalten meines Kindes.

  • Meine ganzen Erwartungen an ihn.

  • Meine ausgedachten Katastrophen-Szenen (Die Therme schließt, doch mein Sohn weigert sich zu gehen und sitzt stattdessen schreiend im Becken).

 

Paddelnd (und leer), bewege ich mich auf meinen Sohn zu, welcher seinem Dinosaurier gerade das Tauchen beibringt.

„Na, wie lange kann der Dino die Luft anhalten?“ frage ich ihn neugierig.

„10 Stunden. Schau mal, er frisst gerade Algen!“ erzählt er mir begeistert.

„Du findest es voll blöd, dass Papa und ich schon fahren wollen, weil du so gerne noch hierbleiben magst.“ stelle ich fest.

„Ja!“ sagt er und schaut mir dabei kurz in die Augen.

Mir fällt gerade auf, dass wir in der letzten halben Stunde keinerlei Blickkontakt und somit auch null Verbindung hatten.

 

Stille

 

Eine Weile sage ich gar nichts (weil mir absolut nichts einfällt). Dann merke ich, wie sich mein Körper, wie von selbst, entspannt. Meine ganze Aufmerksamkeit lege ich auf die Betrachtung meines Sohnes. All der Lärm um uns verstummt. Ich bin mit all meinen Sinnen völlig im Moment. Mein Sohn spielt weiterhin mit seinem Dino und sucht gleichzeitig zaghaft meine Nähe.

Jetzt erst, kann ich mein Kind wirklich sehen. Keiner von uns sagt auch nur ein Wort. Zögerlich sieht er mir wieder in die Augen. Mir ist so, als könnte ich mein Herz pochen hören, so still war es (für mich). Sein Blick ist so unschuldig und zerbrechlich. Er ist so unschuldig und zerbrechlich. Ich denke still:

„Sei dir sicher, ich werde dir mit meinen Worten nicht weh tun.“

 

Ich atme tief in ein, eine Träne kullert mir über die Wange, als ich ausatme. In diesem Moment setzt er seinen T-Rex auf meinen Kopf und sagt: „Mama, der Dino ist jetzt am Aussichtsturm.“ Ich lache und entgege ihm: „Jetzt kann er bestimmt alles überblicken.“ So, wie ich.

„Lass uns eine gemeinsame Lösung finden!“ 

sage ich leise zu ihm. Diese Frage stelle ich ihm, seit er 3 Jahre alt ist. Er ist also sehr geübt im „Lösungen finden“.

Ich will noch 100 Mal rutschen.

Puh, das ist viel. Dazu sei gesagt, dass das hier keine Pipifax-Rutsche steht, sondern eine Richtige. Mit geschätzten 60 Stufen, also insgesamt 6.000, welche auch ich steigen müsste, weil er die Rutsche nur mit Begleitung nutzen darf. Kurz denke ich darüber nach, ob mein Mann vielleicht … Lasse den Gedanken aber dann doch wieder fallen.

„100 Mal ist mir zu viel.“

antworte ich ehrlich. Inzwischen hat mein Herzensglückskind beide Arme um meinen Hals geschlungen. Wir sehen uns an, ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „10 Mal?“ verhandelt er weiter. Ich halte einen Moment inne. „600 Stufen … Will ich ihm das wirklich schenken?“. Mein Herz schaltet sich ein, binnen Sekunden sagt es: „Ja!“

Ich halte nach meinem Liebsten Ausschau, denn ich will ihm die gute Nachricht überbringen. Doch der hat es sich bereits auf einer Liege gemütlich gemacht und schlürft einen Cocktail. Dabei checkt er seine Dokumente, dank Thermen-WLAN und Smart-Phone, jetzt online. Sein Problem ist also bereits gelöst.

„Wie wäre es mit 15 Mal rutschen und einem Eis?“ sage ich glückselig zu meinem Herzensglückskind.

 

Alles Liebe

Andrea 

 

***

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Kategorie: Was kann ich für mich tun?

von

Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie kitschige Liebesfilme gehören zu meinen Leidenschaften.
Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

15 Kommentare

  1. Andrea sagt

    hallo Marion,

    ich würde versuchen eine Art Familienkonferenz im abzuhalten, mit dem Ziel dass ihr alle zusammenarbeitet.

    Jeder sagt, was er will. Und am Schluss wird eine gemeinsame Lösung gefunden. Das Kind soll als gleichwürdiger Verhandlungspartner gesehen werden.

    Kinder wollen mit uns zusammenarbeiten. Ein Vertrauensvorschuss hilft so sehr. 🙂 Unsere eigene Haltung den Familienmitgliedern gegenüber beeinflusst unser Zusammenleben sehr.

    Liebste Grüße
    Andrea

  2. Marina sagt

    Wunderschön! Seid ihr danach dann gegangen? Meine Tochter würde nach dem 15 mal Rutschen oder einer anderen Absprache/Kompromiss wieder wütend werden.

    • Andrea sagt

      Liebe Marina,

      bei meinem Sohn ist es so (wie bei vielen Kindern), dass jeglicher Druck, in ihm einen Widerstand auslöst. Er kann dann nur noch dagegen sein, er hat dann keine Wahlmöglichkeit mehr.

      Zu deiner Frage:
      Wir sind noch 5 Mal gerutscht. Er war müde und ich auch 🙂

      Ich denke, Kinder wollen gerne kooperieren. Wenn Kinder ein Misstrauen ihnen gegenüber wahrnehmen. – Also, wenn wir meinen wir müssten sie austricksen oder zwingen zu kooperieren. Dann kränkt es sie und es bleibt ihnen nichts anderes mehr übrig als in den Widerstand zu gehen.

      Würde genau hinschauen, ob die Absprache in gegenseitigem Einverständnis getroffen wurde.

      Liebe Grüße
      Andrea

  3. Schmerzspürende sagt

    Hallo Andrea,

    ich bewundere dich, dass du dich nicht zu Drohungen hinreißen lassen hast, sondern du das Ruder zu so viel Gelassenheit und wie viel Sanftmut („Sei dir sicher, ich werde dir mit meinen Worten nicht weh tun.“) herumgeschoben hast.

    Du hast geschrieben, dass du die Frage nach Lösungen ab drei Jahren gestellt hast. Wie hättest du Lösungen mit einem jüngeren Kind gefunden?

    Was machst du, wenn ein Kind immer wieder diesselbe Lösung vorschlägt (die dich z. B. unter Zeitdruck bringen würde), wenn du nach einer Alternative fragst?

    Liebe Grüße
    Schmerzspürende

    • Andrea sagt

      Hallo 🙂

      Leider gelingt es mir auch nicht immer, Gelassenheit zu leben.

      Bei jüngeren Kindern würde ich meine Fantasie spielen lassen und selbst Vorschläge zu machen. Für mich ist es so bereichernd, immer wieder zu merken, dass es nicht nur „entweder oder“ gibt.

      Wenn ich dringende Termine habe, dann liebe ich Zeitpolster. Ansonsten frage ich, wie ich meinem Kind helfen kann. „Soll ich dich ein Stück tragen? „“Sollen wir Dinosaurier sein und draußen ein Abenteuer erleben?“

      Wenn es aber keine wichtigen Termine sind, dann versuche ich das Bedürfnis meines Kindes herauszufinden und probiere unsere beiden Bedürfnisse zu vereinen.

      Liebe Grüße
      Andrea

  4. Tina sagt

    Hallo,
    danke für diesen tollen Artikel. Ich frage mich, weil es mir oft so geht …, was machst du, wenn er wegläuft und schreit „nein ich will noch nicht“ usw. , wenn du zu ihm kommst, sodass du NICHT in Beziehung gehen kannst. Augenkontakt und Berührung funktionieren dann nur, wenn man die Kinder fest hält … aber das gefällt mir auch nicht wirklich 🙁
    Auf der Suche nach einer Lösung …
    lg Tina

    • Andrea sagt

      Hallo Tina,

      wenn es ungefährlich ist, würde ich mein Kind laufen lassen. Und sagen dass er kommen kann, wenn er fertig ist. (Ich denke, sobald die Kinder einen Freiraum für ein Stück Selbstbestimmung, müssen sie nicht in den Widerstand gehen. Aus meiner Erfahrung geht es im Endeffekt schneller als mit Überredungsversuchen)

      Wenn es bei mir ganz eilig ist mache ich ein Spiel daraus. Wir fahren dann im Dinozug nach hause oder ich erzähle was wir cooles daheim machen können.

      Und es hilft meinem Kind auch es früh genug zu sagen. Also eine gelbe Stunde vorher und nochmals 5 Minuten (je nach Alter des Kindes)
      Kinder leben ja vorrangig im Jetzt, deshalb ist es oft so schwer für sie zu gehen. Ich kann das auch so gut verstehen, dass Kinder nicht gehen wollen, wenn es gerade so schön ist.

      Liebste Grüße
      Andrea

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