Innere Welt der Kinder
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Eltern-Lüge: Ich muss meinem Kind beibringen aufs Klo zu gehen

Haben wir unserem Kind das Laufen gelernt?

Haben wir unserem Kind das Sprechen beigebracht?

Haben wir unserem Kind Dankbarkeit ins Herz gezaubert?

Nein. Egal was wir tun. Unsere Kinder lernen Laufen, sie lernen Sprechen. Selbst Dankbarkeit entspringt aus ihrem Inneren (Hier habe ich bereits darüber geschrieben).

Wieso bilden wir uns plötzlich ein, dass wir ihnen beibringen können ihre Blase zu kontrollieren?

Wir überschätzen uns da vollkommen.

Wovor haben wir denn Angst?

Kennst du einen Erwachsenen, der noch in die Hose pullert?

Töpfchentraining

Anstatt uns die Realität anzusehen, beginnen wir irgendwelche Töpfchentrainings zu starten.

Puh, ich finde solche Anleitungen voll gruselig: “Setzt dein Kind immer zur selben Zeit aufs Töpfchen. Das Kind muss sitzen bleiben, bis es in den Topf macht.

Was lernt mein Kind daraus wirklich?

  • Der Stärkere gewinnt. (Es wird vielleicht denken: Wenn ich mal groß bin, übe ich auch Macht gegenüber Schwächeren aus)
  • Man darf mich zwingen, was zu tun was ich nicht will. Ja das ist Gewalt! Emotionale oder gar Körperliche . (Welches Kind mag es schon, lange auf dem unbequemen Töpfchen (Klo) zu hocken?)
  • Ich kann mir nicht vertrauen, meine Eltern wissen besser über meinen Körper Bescheid. (Es sitzt durch das “Training” oft eine elend lange Zeit am Topf, ohne zu müssen)
  • Es verlernt sehr wahrscheinlich die Freude am Erforschen seiner Körperfunktionen.

Viele Leute denken trotzdem, dass ihr Kind durch das Töpfchentraining gelernt hat, seine Blase zu beherrschen. Da muss ich euch enttäuschen, das passiert aufgrund einer ganz natürlichen Entwicklung im Gehirn, welche die Reifung der Blasenkontrolle mit sich zieht.


Belohnung (Bestrafung)

  • “Wenn du aufs Klo gehst, kriegst du ein Bonbon.”
  • “Wenn du es 10 Mal schaffst in den Topf zu pullern, machen wir einen schönen Ausflug.”
  • “Wenn du ins Töpfchen machst, darfst du fernsehen.”

Wir beginnen zu belohnen, wenn das Kind seinen Urin oder seinen Kot ins Klo macht.

Was ist das für ein Wahnsinn? Wir glauben somit, unser kleiner Mensch will das nicht lernen, ohne ein Leckerli.

Viele meinen, das hat nix mit Bestrafen zu tun. Doch! Wir bestrafen unser Kind durch die Nichtgabe der Belohnung, wenn es mal daneben geht.

Nein, unser Kind wird mit 20 Jahren nicht mehr in die Hose machen!


Versprochen, egal was wir veranstalten: Unser Kind wird rein. Wenn es (bzw. sein Körper) dazu bereit ist. Hören wir doch auf zu denken, dass wir die Obergötter sind und dem Kind das natürlichste der Welt lernen können. Durch unser unreflektiertes Zutun verzögert sich das ganze höchstens und außerdem leidet die Beziehung zum Kind.

Es gibt die Möglichkeit unser Baby abzuhalten. Damit lernen wir es ihm auch nicht, doch es ist bestimmt angenehmer als die nasse Windel am Po zu tragen.

Wenn das Kind schon älter ist: Achte auf die Zeichen des Kindes, wann es dazu bereit ist. Nein, das Alter ist nicht ausschlaggebend. Jedes Kind ist anders!

Meist zeigt es sich, dass es keine Windel mehr tragen will. Dein Kind ist der Experte für seinen Körper. Es selbst entscheidet, wann es soweit ist. Wir können dann achtsam hinschauen und fragen, ob es mal muss und ihm das Töpfchen oder das Klo zeigen.

Im Grunde wissen sie bereits, wohin wir pullern. Kinder wollen so sein wie wir. Und sie sind schlau.

Abgesehen davon, finden es (ab einem bestimmten Zeitpunkt) bestimmt wenige kleine Menschen angenehm, wenn die Pampe in der Windel klebt.

Was ist unsere Aufgabe?

Unser Job ist es, uns das ganze so angenehm wie möglich zu machen. Denn unser Stress überträgt sich auf das Kind. Sie haben so feine Antennen.

Tagsüber:
Frag dein Kind, ob es mal muss. Lass es zuhause untenrum ohne Kleidung rumlaufen, dicke Socken helfen im Winter. Stell das Töpfchen in die Nähe deines Kindes. Nimm beim Rausgehen Wechselkleidung mit. Leg Handtücher auf den Autositz.

Nachts:
Leg schichtweise Handtücher ins Bett des Kindes. Wenn es danebengeht, kannst du die nassen Schichten wegtun und es kann auf den darunterliegenden trockenen Handtüchern weiterschlafen.

That´s it. Alles andere kannst du deinem Kind überlassen.

Bettnässen – Einkoten

Enuresis und Enkopresis sind die Fachbegriffe dafür. Hierfür gibt es physiologische oder/und psychische Hintergründe.

Töpfchentraining oder Belohnungssysteme versagen hier allemal. Hier braucht es einfühlsame ärztliche Behandlung und Begleitung.

Die Wahrheit

Es gibt 2 Möglichkeiten, wie wir mit unserem Kind durch das Rein-Werden gehen.

Mit unnötigem Stress, welcher nur von uns erzeugt wird.

ODER

Ganz entspannt mit Liebe und Vertrauen in unseren kompetenten kleinen Menschen.

Du hast die Wahl!

Alles Liebe
Andrea

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Hier gibt´s noch einen ausführlicheren Artikel. Falls du mehr Fakten brauchst.

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4 Kommentare

  1. Avatar

    Oh Andrea du Liebe, ❤ wir haben viel Geduld mit gebracht. Unsere Tochter ist jetzt 4 1/2 Jahre, wir haben immer mal wieder gefragt, ob sie die Windel ausziehen will. Nein. Wollte sie nicht. Ihr Weg. Ihr Tempo. Jetzt beginnt sie zu ganz allein von sich aus zu sagen, ich will keine Windel anziehen. Ich will aufs Töpfchen. Jetzt kommen die ersten Versuche, es geht schief und sie wirft das immer sehr aus der Bahn und sie will die Windel wieder anziehen. Das ist okay. Es geht dennoch von ihr aus und deshalb sagt sie von sich aus nach einem Tag, dass sie die Windel wieder ausziehen möchte und es wieder probieren möchte. Es ist so wundervoll sie bei ihrem Weg begleiten zu dürfen ❤

    • Andrea
      Andrea sagt

      Hey Verena <3

      Danke für deine Worte. Ich freue mich sehr mit euch mit!

      Wie schön, dass du ganz mit ihrem Tempo mitgehtst.

      Liebste Grüße
      Andrea

  2. Avatar
    Silke sagt

    Hallo, ich denke ich gehe mit dem Thema schon locker um, mein Kind ist jetzt 3 Jahre und 4 Monate alt (Junge), aber im Kindergarten, höre ich jetzt immer öfter, dass er sauber werden muss, was soll ich jetzt machen? Ich fühle mich hier unter Druck gesetzt und es tut mir auch leid, wenn mein Kind von “genervten” Erzieherinnen noch gewickelt werden muss. Viele Grüsse Silke

    • Andrea
      Andrea sagt

      Liebe Silke,

      ich kann es nachfühlen, dass hier Druck entsteht. Ich würde in Verbindung mit den Erzieherinnen gehen. Sprich mit ihnen, frag ob du was für sie tun kannst. Vielleicht eine besonders leicht zu handhabende Windel. Oder Klamotten die sich leicht ausziehen lassen.

      Und ich würde ihnen deine Dankbarkeit sagen. Dafür dass sie die Windeln wechseln. Bring ihnen vielleicht was mit?

      Liebste Grüße
      Andrea

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