Allgemein, Selbstfürsorge

Warum du dich über deine Fehler freuen kannst

Ich habe mein Kind angeschrien. 
Schon wieder habe ich genervt und unsensibel reagiert. 
Mist, ich habe die Nerven verloren. 
Boah, ich bin komplett in die Opferrolle gefallen. 
Meinen kleinen Menschen habe ich heute so gekränkt, wie konnte das nur passieren?

 

Hast du heute schon einen Fehler gemacht? 

Ja?

Wie schön!

Jetzt denkst du vielleicht, dass ich verrückt geworden bin.

Doch das Gegenteil ist passiert. Ich habe begonnen, die Realität zu lieben. 

Kein Mensch kann seine Fehler rückgängig machen. Denn sie sind schon passiert. Egal, wie lange wir uns in Schuld suhlen. So sehr wir uns auch kritisieren, tadeln und schimpfen. Keiner kann die Vergangenheit ändern. 

Deshalb mag ich heute über den Gewinn aus deinen Fehlern erzählen. 🙂 

 

Perfekte Eltern sind die Hölle

Wieso? Stell dir vor, du hättest eine perfekte Mutter. Ihr gelingt einfach ALLES. Sie macht niemalsnie Fehler. Sie weiß alles. Sie kann alles. Sie tut alles.

Und da bist du, als Kind: Unperfekt. Fehlerhaft. Ungeschickt.

Spürst du, wie du immer kleiner und kleiner wirst? Und wie du dich völlig unbedeutend neben ihr fühlst, weil sie eben alles besser kann als du. 

Und jetzt stell dir vor: ES passiert –  du machst einen Fehler! Du hast keinen Schimmer wie du dich verhalten sollst. Da ist kein Vorbild, von dem du es dir abschauen kannst. Denn deiner Mutter passieren ja niemals Fehler.

Deine Mama stellst du auf ein Podest und weißt, dass du niemals gut genug sein wirst.

 

Perfekt unperfekte Eltern

Und jetzt stell dir vor, du hast eine Mama, die (wie alle Menschen auf diesem Planeten) Fehler macht.

Weil du mit deinen Schuhen die Wohnung betrittst, sagt sie in einem forschen Ton: „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du dir deine Schuhe ausziehen sollst! Mir reicht’s!“ Du weißt gar nicht, wie dir geschieht. Du bist voll gekränkt. Dabei wolltest du ihr voller Freude was erzählen. 

Deine Mama stürmt anschließend in die Küche und lässt die Türe zuknallen. Jetzt stehst du da – alleine – und weinst vielleicht. Du setzt dich auf den Boden und weißt nicht, was du tun sollst. 

Ein paar Minuten später kommt deine Mama zu dir zurück. Sie setzt sich stumm zu dir auf den Boden. Sie öffnet ihre Arme und wartet. Du kuschelst dich sofort in ihre Arme.

„Es war gar nicht o.k., dass ich dich so angefahren habe. Es tut mir so leid. Ich weiß ja, dass du das nicht mit Absicht gemacht hast.“ sagt sie mit ihrer weichen Stimme. Du bist so erleichtert. Jetzt weißt du, dass du nicht falsch bist und dass es nicht ok ist, wenn jemand mit dir so spricht. Außerdem erfährst du, dass Menschen Fehler machen. 

„Ich mag dir gerne als Wiedergutmachung etwas Gutes tun.  Hast du eine Idee?“, flüstert sie dir liebevoll ins Ohr. Ah, und jetzt hast du gelernt, dass man es auch wiedergutmachen kann. Und man nach einem Fehler nicht in Schuld ertrinken muss. Du hast natürlich 100 Ideen, wie deine Mama dir was Gutes tun kann. Du fühlst dich wertgeschätzt, weil es deiner Mama wichtig ist, dass es dir gut geht. 

Abends beim Schlafengehen willst du wissen, wieso sie heute so böse reagiert hat. So erzählt dir deine Mama: „Ich habe nochmals über unser Erlebnis mit den Schuhen nachgedacht. Ich hatte so ein großes Bedürfnis nach Ruhe. Und als ich die Fußabdrücke im Gang gesehen hab, sah ich nur die Arbeit, die ich beim Aufwischen habe. Dabei hätte ich dich ja fragen können, ob du mir hilfst. Und ich hätte dich fragen können, wieso du so stürmisch in die Wohnung läufst.“ Du erfährst mehr über die Welt deiner Mama und so entsteht Verbindung. 

Endlich kannst du ihr erzählen, dass du heute in der Schule geehrt wurdest. Und wie schön es war, als jeder deiner Mitschüler etwas Liebes über dich gesagt hat. 

Was passiert ist, ist passiert

Und dann haben wir unser Kind angeschrien. Realität. Unumkehrbar. Klar können wir zetern und uns schuldig und schlecht fühlen.

Doch jede Sekunde, die wir mit „Das hätte nicht passieren dürfen“ verbringen, kostet uns in der Gegenwart die Verbindung mit unserem Kind.

Wir können die Zeit viel besser nutzen, indem wir in Verbindung mit uns gehen, damit wir anschließend wieder Beziehung mit unserem Kind sein können.

 

Es gibt keine Fehler

Im Grunde kannst du gar keinen Fehler „machen“. 

Fehler passieren. Weil wir in einem Zeitreisegefühl festhängen. Weil unsere Bedürfnisse nicht gestillt sind. Weil wir Angst haben. Weil wir nicht bei uns sind. Weil wir gerade eine blöde Zeit haben. Weil wir gesundheitliche Probleme haben. Usw.

Ich kenne keine Eltern, die am Morgen aufwachen und denken: „Boah, heute werden wir unseren Kindern richtig weh tun!“ 

Also „machen“ wir keine Fehler, sie passieren uns viel mehr. 

 

Der Fehler als Wecker

Sobald wir ungehalten reagieren, ist das ein Zeichen dafür, dass in uns ein Bedürfnis hungert. Einem anderen Menschen weh zu tun, ist KEIN menschliches Bedürfnis. Also muss etwas anderes hinter unserem Verhalten liegen. 

Und nach, mit jedem Fehler öffnet sich eine Chance, sich selbst besser kennenzulernen. Du kannst deinen Mangel in dir nicht mehr ignorieren. Denn es dir voll wichtig, dass du in einer liebevollen Verbindung mit deinem Kind bist. Doch diese kann es nicht geben, wenn du die Grundlage vergisst. Nämlich eine liebevolle Beziehung zu dir selbst! 

Dein ungehaltenes, fehlerhaftes Verhalten ermöglicht dir, deine Wunden anzusehen. Sie geben dir jedes Mal die Chance zu üben, dich zu reflektieren. Dich liebevoll zu fragen, was da in dir los ist.

 

Meine Angelegenheit – Deine Angelegenheit

Gehen wir nochmals in unsere Situation mit der unperfekten Mama. Sie schreit ihr Kind an, weil es mit den schmutzigen Schuhen die Wohnung betritt. Diese Mama kann in jeder stressigen Situation üben, bei sich zu bleiben. Zu spüren, was sich in ihrem Inneren tut.

Beim nächsten Mal kann sie sich dann vielleicht liebevolle Worte sagen: „Puh, da ist gerade voll viel Wut in mir. Meine Wut darf sein. Was tut mir gerade so weh?“ Dann kommt es vielleicht gar nicht dazu, dass sie ihr Kind anschreit. Sie weiß jetzt vom letzten Mal, dass vielleicht wieder ihr Bedürfnis nach Ruhe hungert.

Sie bleibt vielleicht nicht mehr in der Angelegenheit der anderen hängen, indem sie sich erzählt: „Sie hätte nicht mit den dreckigen Schuhen reinkommen sollen.“ Denn das ist bereits passiert. Das Kind steht vor ihr. Der Dreck hat es sich bereits auf ihrem Boden gemütlich gemacht. Das ist die unabänderliche Realität.

 

Schlussendlich

Und, ja natürlich. Wir können sagen, dass wir es kacke finden, wenn der Dreck von den Schuhen am Boden liegt. Und wir können um Hilfe beten. Doch das alles sollten wir auf Augenhöhe mit unserem kleinen Menschen besprechen, nachdem wir uns um uns selbst gekümmert haben! Bevor wir uns nicht zugestehen, dass wir Fehler machen dürfen, sind wir dazu nicht in der Lage.  


Alles Liebe 

Andrea 🙂

Willst du Begleitung auf deinem Weg zu einer liebevollen Beziehung zu dir und zu deinem kleinen Menschen? 

Ich bin gerne für dich da! (klicke hier)

 

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Kategorie: Allgemein, Selbstfürsorge

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Ich bin eine (meist) glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, die innere Welt der Kinder, sowie THE WORK sind meine Leidenschaften. Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Ich mag dabei helfen, dass ihr euch mit eurem kleinen Menschen wieder verbinden könnt!