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Gastbeitrag von Jenni zum Thema “Selbstreflexion”

 

Heute darf ich euch einen GASTBEITRAG der wunderbaren Jenni präsentieren, ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

Vielen lieben Dank, Jenni <3

 

Die liebe Andrea fragte mich heute, ob ich nicht Lust hätte einen Gastbeitrag für ihren Blog zu schreiben. Ich war überwältigt von dieser Bitte und brauchte gar nicht lange darüber nachzudenken und sagte sofort “JA”.

Es gibt den einzig richtigen Weg nicht!

Mir ist ganz oft in verschiedenen Gruppen bei Facebook aufgefallen, dass dort sehr vehement um Lösungsantworten für bestimmte Situationen gebeten wird. Gerade in Situationen, wo sich das Kind in der Autonomiephase befindet und deshalb niemand wirklich weiter weiß. Jeder der mich kennt weiß, dass ich nicht der Typ Mensch bin, der sofort sagt “mach das, oder das, dann hast du die Lösung.”

Ihr fragt euch sicher warum ich dies nicht tue? Wie ich finde, sogar zurecht 😉

Ich persönlich empfinde es so: Es gibt nicht immer direkt E I N E Lösung, sondern so viele verschiedene Ansätze um eine persönliche Lösung zu finden.

Jede Situation ist eine völlig andere, als die Situation von Mama XY zuvor. Jede Situation ist so wahnsinnig facettenreich und jedes Bedürfnis der jeweiligen Mama und des jeweiligen Kindes ist immer anders.

Die Fragen die ich mir selbst stelle, sind ganz simpel:

Als Erstes ist es so, dass ich die Situation aus einem anderen Blickwinkel beobachte. Ich stelle mir vor, ich stehe einige Meter entfernt und beobachte das Geschehen in diesem Moment einfach. Ich sehe die Menschen die anwesend sind, ich sehe was gemacht wird, ich sehe was nicht gemacht wird. All das geschieht ohne Wertung. Denn diese Wertung würde mich manipulieren und das möchte ich nicht.

Nachdem ich die angespannte Situation beobachtet habe, frage ich mich, was sie in mir auslöst. Welche Gefühle werden in mir ausgelöst? Bin ich wütend? Bin ich traurig? Fühle ich mich ohnmächtig? Fühle ich mich sogar schon hilflos? Was fühle ich in genau diesem Augenblick? Ich lasse in dem Augenblick nur die Gefühle zu. Die Gefühle ohne Handlung.

Wenn ich dann die Beobachtung und meine Gefühle aufgenommen habe, überlege ich mir, welches Bedürfnis ich gerade in dieser Situation habe. Was ist mir gerade wichtig?

Der nächste Bereich ist dann der, dass ich, mit all dem Wissen, in Verbindung zu meinem Kind trete.

Aufgrund dessen ist es mir gar nicht möglich, sofort die E I N E Lösung zu finden.

Mein Kind und ich in einer Kapsel.

Ganz oft empfinde ich es auch so, dass die Art und Weise, wie ich mit einem Kind oder gar einem Erwachsenen ein Dialog führe, eine sehr wichtige Rolle spielt.

Wenn meine 3,5 Jährige Tochter gerade so wahnsinnig sauer ist, weil etwas nicht so klappt, wie sie es sich in dem Moment wünscht, dann bin ich für sie da.

Sie darf bei mir schreien, rumlaufen, wütend sein, Kissen durch die Gegend schmeißen und lauter solche Sachen. Ich begleite sie in dieser Situation. Diese Gefühle sind nämlich enorm wichtig für Kinder. Diese Gefühle sind für mich keine negativen, sondern ganz positive Gefühle. Ich gestehe ihr die Gefühle zu, wie ausgeprägt sie gerade in dem Moment auch sind. Ich schütze aber sie und mich, damit sie weder mich verletzt noch sich, zum Beispiel durch herumliegende Sachen.

In diesem Augenblick schalte ich um mich herum alles ab. In diesem Augenblick bin ich voll und ganz bei meiner Tochter. Nur SIE, ICH und die Situation. Du kannst es dir so vorstellen, wie wenn eine Kapsel um uns herum gelegt wäre und jeder uns sehen und hören kann. Aber dass ich eben diejenigen vor der Kapsel nicht wahrnehme, weil ich dazu nicht bemächtigt bin, weil ich ja voll und ganz mit meiner Tochter in Verbindung bin.

Gefühle ausleben

Mir ist in dem Bereich der Autonomiephase auch wichtig, dass meine Tochter jegliche Gefühle ausleben darf und ich sie nicht ablenke. Das Ablenken der Gefühle fühlt sich für mich in dem Bereich auch nicht “richtig” an. Damit suggeriere ich ihr nämlich:

  • Dass sie selbst nicht okay ist
  • Dass ihre Gefühle nicht okay sind
  • Dass ja alles gar nicht so schlimm ist.

Und all das stimmt ja gar nicht. Ganz im Gegenteil sogar.

Ihre Gefühle sind wichtig und okay, sie selbst ist okay, wie sie ist. Dadurch nehme ich meine Tochter und ihre Gefühle ernst.

Dialog mit dem Kind

Je nach Situation ist es dann noch so, dass ich mit ihr in einen Dialog trete. Wann dieser ist, das kann ich euch hier so pauschal gar nicht sagen, weil es einfach immer situationsabhängig ist. Mal ist es so, dass es während ihres Wutanfalls passiert und mal ist es so, dass es erst danach ist.

Unsere Dialog-Art ist dieselbe, die Andrea bereits beschrieben hat.

Nachlesen könnt ihr den Imago-Dialog hier: Der Imago-Dialog mit Kindern

Der Imago-Dialog ist eine Bereicherung für uns. Meine Tochter fühlt sich und ihre Gefühle wahrgenommen. Meistens ist es auch so, dass sie danach binnen kurzer Zeit wieder zu sich selbst findet und dann wieder herumläuft, als wenn gar nichts gewesen ist. Sie wurde von mir als Mama gesehen, ihre Gefühle wurden wahrgenommen und ich habe ihr zugehört.

Mein Kind macht nicht das, was ich möchte.

Ich sehe auch ganz oft, dass im Bereich der Autonomiephase, ein Kind ganz oft nicht das macht, was die Mama oder ein anderer Elternteil gerade möchte.

Auch da sehe ich es so, dass die Kommunikation ein Teil dazu beiträgt. Was möchte mein Kind gerade? Wieso möchte ich dies als Elternteil nicht?

Was ist eine Bitte?

Ich lese auf Facebook dann ganz oft ” Ja, aber ich hab sie darum gebeten leiser zu sein und sie hört nicht.” Ich verweise dann darauf, dass es eine BITTE war. Eine Bitte, der ein Kind dann entweder nachgehen kann, oder sie aber ablehnen kann. Das Kind hat die Wahlmöglichkeit, für was es sich entscheidet. Ich als Elternteil, trage jedoch die Verantwortung dafür.

Wie bringe ich meine Aufforderung dem Kind näher?

Wenn ich mein Kind jedoch zu etwas auffordere, sieht die Situation schon anders aus. Aber auch das garantiert nicht dazu, dass das Kind meiner Aufforderung nachgeht. Ich frage mich in dem Falle immer:

  • Was möchte ich gerade wirklich von meinem Kind?
  • Ist mein Wunsch jetzt gerade, in dieser Situation, wirklich so extrem wichtig, dass er nicht noch paar Minuten warten kann?
  • Kann ich damit leben, dass mein Kind eine andere Meinung dazu hat als ich?
  • Wenn nein, wieso nicht? Was bedeutet dies für mich? Was kann ich machen?

Diese Art der Reflexion ist für mich so wahnsinnig inspirierend.

Die Selbstreflexion erweitert meinen Horizont und eröffnet mir viele Türen im Bereich der Wahrnehmung, dies bereichert mich.

  • Wer bin ich?
  • Was möchte ich?
  • Was kann ich?
  • Wann ist meine persönliche Grenze erreicht?
  • Wie kann ich an meinen persönlichen Grenzen arbeiten?
  • Wie flexibel bin ich in verschiedenen Situation?
  • Wie sieht es mit meiner Impulskontrolle aus?
  • Welche Bedürfnisse habe ich?
  • Wie kann ich mir meine Bedürfnisse erfüllen?

Je klarer ich mit mir selbst als Mensch bin, desto klarer kann ich meinem Kind gegenübertreten.

Denn für all das bin I C H verantwortlich. Für jeden einzelnen Bereich bin I C H verantwortlich und niemand anderes.

Ich empfehle euch, einfach mal tief in euch zu gehen und einfach einmal zu versuchen eine Selbstreflexion in Gang zu bringen. Es ist viel Arbeit und mit Sicherheit irgendwann auch mal schmerzhaft. Doch trotz dessen ist es wahnsinnig interessant, zu sich selbst zu finden und mit sich selbst im Einklang zu sein.

Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, sondern auch noch viele weitere Farben!

Gerade im Bezug auf die E I N E Lösung, kann ich nur sagen, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, sondern noch ganz viele verschiedene Farben dazwischen, die wir manchmal bloß nicht sehen können. Entweder weil wir sie nicht sehen möchten, oder einfach weil wir sie gerade in diesem Augenblick nicht finden können. Aber dennoch gibt es sie! Wir könnten uns in jeder Situation auf den Weg machen sie zu finden, sie festzuhalten und zu uns zu nehmen.

Jede Situation ist eine neue. In jeder neuen Situation können wir an allem, was uns missfällt, arbeiten. Keine Situation gleicht der anderen. Wir haben durch jede Situation die Chance etwas zu ändern. Wir haben durch jede Situation die Möglichkeit, alte Verhaltensmuster über Bord zu werfen.

Und vergesst bitte niemals, dass hinter jedem Verhalten eures Kindes ein Bedürfnis steckt.

Euer Kind möchte euch mit jedem Handeln etwas signalisieren.

Es liegt bei euch alleine, ob ihr euch auf die Spurensuchen begebt, oder nicht.

Wir Eltern, sind für die Atmosphäre verantwortlich!

Wir Eltern sind für die Atmosphäre in unserer Familie, in unserem Haus, verantwortlich. Wir alleine und nicht unser Kind, oder sogar ein Besuch der gerade bei uns ist.

Und gerade dann, wenn Konflikte in der Familie aktuell sind, versucht euch daran zu erfreuen. Denn durch diese Konflikte könnt ihr wachsen. Durch diese Konflikte seht ihr auf einmal Sachen, die ihr vorher gar nicht wahrgenommen habt. Und ja, mit Sicherheit sind Konflikte oft super anstrengend. Aber sie sind normal.

Gerade dann, wenn verschiedene Menschen, mit verschiedenen Meinungen und Bedürfnissen in einem Haus leben. Da ist es vorprogrammiert, dass es früher, oder später zu Reibungen kommt. Sie sind aber genauso, wie bei Kindern in der Autonomiephase, wichtig und schweißt die Familie doch irgendwo wieder näher zueinander.

Wenn ihr einen Fehler gemacht habt, dann bittet euer Kind um Verzeihung.

Und verzeiht euch diesen Fehler selbst.

Übrigens ist „Fehler machen“ nur menschlich bzw. authentisch. Niemand ist perfekt. Kinder wollen auch gar keine perfekten Eltern. Nicht umsonst sagt Jesper Juul, dass Eltern 20 Fehler am Tag machen dürfen und auch sollen. Fehler sind da, um gemacht zu werden. Auf Grund dieser Fehler könnt ihr wachsen. Auch da kommt wieder die Selbstreflexion ins Spiel:

  • Wieso war ich in Situation XY so wie ich war?
  • Was hätte ich mir da von mir selbst gewünscht?
  • Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?
  • Wie erging es mir in Situation XY?

Ihr seht, das ganze Leben bzw. jede Situation darin, beinhaltet irgendwo eine Möglichkeit zur Reflexion der ihr nachgehen könnt.

Lasst diese Selbstreflexion zu, habt keine Angst davor und begebt euch in diese neue Welt!

Herzlichst eure Jenni

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Kategorie: Gastbeiträge

von

Andrea

Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie THE WORK sind meine Leidenschaften. Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Ich mag dabei helfen, dass ihr euch mit eurem kleinen Menschen wieder verbinden könnt!

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