Konflikte lösen
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Wirft dein Kind Dinge auf den Boden?

wirft dein Kind Dinge

 

Jedes Verhalten unseres Kindes ist eine Strategie, um sich ein menschliches Bedürfnis zu erfüllen.

Wirklich jedes?

Ja.

Ich nehme es gleich vorweg:

NEIN, jemandem anderen weh zu tun oder jemanden zu ärgern ist KEIN menschliches Bedürfnis.

 

Es gibt viele Strategien um ein unerfülltes Bedürfnis zu stillen. Doch anstatt nach neuen Strategien für das Kind zu suchen, zetteln viele einen unnötigen Kampf gegen das Kind an.

So oft lese ich auf Facebook, dass sich Eltern angegriffen fühlen, weil das Kind (ab einem bestimmten Alter) bewusst Dinge auf den Boden fallen lässt oder sie wirft.

Nochmals: Nein, es gibt kein Bedürfnis „Mama (Papa) ärgern“!

 

Darum wirft dein Kind Dinge:

 

Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit

 

Vielleicht ist dein Kind gerade dabei, das Ursache-Wirkungsprinzip zu verstehen.

Es wirft etwas hinunter und

  •  … du reagierst auf eine bestimmte Art und Weise.
  • … der Gegenstand mach ein Geräusch beim Aufprall
  • … der Gegenstand zerbricht.
  • … das Essen verändert die Form, wenn es am Boden auftrifft.

Dies alles kann so faszinierend für Kinder sein. Für sie ist die Welt nicht so vorhersehbar wie für uns. Für Kinder grenzt es an ein Wunder, wenn die Nudeln am Boden ein „Patsch“-Geräusch erzeugen.

 

Bedürfnis nach Forschen/Lernen

 

Stell dir vor, du würdest ins Weltall fliegen.

Du wirfst einen Gegenstand ….. und er fliegt nach oben.

Je nach dem, ob du schwerere oder leichtere Gegenstände wirfst, schweben sie schneller oder langsamer. Manchmal machen die Gegenstände auch lustige Töne, wenn sie die Wand des Raumschiffes berühren.

WOW! Ich würde das alles austesten und erforschen wollen.

So muss es auch für unsere Kinder sein. Sie erleben die Schwerkraft mit all ihren Sinnen. Sie sehen, wie die Gegenstände schneller und langsamer fallen. Sie hören die verschiedene Töne, welche beim Aufprall erzeugt werden.

Das ist Physik pur. So lernen Kinder die Welt kennen.

Beende den Kampf!

 

Ich würde den Kampf gegen das Bedürfnis des Kindes aufgeben, im Gegenteil ich würde das Kind mit Möglichkeiten zum Werfen füttern. Also ihm alle möglichen Dinge zur Verfügung stellen. In der Badewanne könnt ihr Dinge ins Wasser planschen lassen, im Wohnzimmer unzerbrechliche Dinge beispielsweise in eine Kiste werfen. Vielleicht kannst du beim Tisch an den gefährlichen Stellen Decken auf den Boden legen.

Seid kreativ! Ich liebe es Kissen oder Stofftiere mit meinem Sohn an die Wand zu schießen. Wir lassen aus dem Fenster eine Feder rausschweben. Wir knüllen Papier zusammen und lassen sie im Stiegenhaus bis in den Keller fallen.

Je mehr wir den Kindern anbieten, desto weniger wird das Bedürfnis. Nicht erfüllte Bedürfnisse kehren immer wieder zurück, bis sie erfüllt werden.

 

Bedürfnis nach Verständnis/Hilfe

(Kindliche Rache)

 

Jetzt wird es ein bisschen kniffliger!

Dein Kind wirft (für dich) wertvolle Gegenstände „extra“ an die Wand oder zu Boden?

Je mehr du „Nein“ rufst, desto mehr tut es die Sachen die du nicht willst?

 

Schau ganz genau hin!– Was ist kurz davor passiert?

Hattet ihr einen Konflikt? Fühlte sich dein Kind machtlos, hilflos, gekränkt oder sogar ohnmächtig? Dann könnte es „kindliche Rache“ sein.

„Kindliche Rache“ wird von Kindern unbewusst „angewandt“, weil sie ihre Gefühle noch nicht wirklich mit Worten ausdrücken können. Ich denke unbewusst, ruft das Kind mit seiner „Tat“ ähnliche Gefühle in uns hervor, welche es selbst davor fühlte, um sie uns so zu zeigen.

 

Es ist ein Hilferuf von deinem Kind an dich: „Mir geht es im Moment gar nicht gut! Ich kann es gerade nicht anders ausdrücken. Bitte komm und schau in meine innere Welt. Hilf mir!“

 

Selbst wir Erwachsenen bedienen uns dieser kindlichen Bewältigungsmechanismen der Rache. Und das, obwohl unser Gehirn viel reifer ist und wir die nötige Impulskontrolle besitzen. Du hast doch bestimmt auch schon mal daran gedacht, jemandem genau so weh zu tun, wie er dir oder es sogar auch getan.

 

Das Ziel der „kindlichen Rache“ ist nicht dem anderen weh zu tun, sondern dass einem der andere versteht!

 

Wenn man versteht, dass dies nur ein Hilferuf ist und das Kind im Innersten nur verstanden werden will, kann man wieder MIT dem Kind arbeiten anstatt gegen es zu kämpfen.

Natürlich sage ich es meinem Herzensglückskind, dass ich es blöd finde. Ich veranstalte aber keine Schimpftriade, denn es ist erwiesen, dass Vorwürfe im Gehirn unserer Kinder (und auch Erwachsenen) eine Blockade auslöst. Dann sind die Kinder vollkommen auf Abwehr/Schutz eingestellt, sie können uns nicht mehr hören, geschweige denn verstehen.

Mein Fokus liegt eher auf dem Konflikt davor, also den Grund warum das ganze passiert ist. Wir können unser Wissen nutzen und es fragen, ob es davor unser jetziges Gefühl hatte. Denn, wenn ich meinem Kind helfe seine Gefühle auszudrücken, muss es bald nicht mehr Rache üben.

„Wenn ich sehe, dass du meine Dokumente auf den Boden wirfst, fühle ich mich ganz hilflos. Hast du dich vorher auch so gefühlt, als ich dir sagte das wir heute nicht mehr zu Opa fahren?“

Wenn ich seinen Schmerz errate, hört er meist mit seinem Racheakt augenblicklich auf. Manchmal wirft er sich dann in meine Arme und weint alles raus.

 

Schimpfen

 

Mit „Schimpfen“ will man im Grunde erreichen, dass sein Kind Angst empfindet und es deshalb nicht mehr macht. Für mich ist es moralisch unvertretbar, mein Kind zu ängstigen um mein Ziel zu erreichen.

 

Unser Kind kämpft nicht gegen uns!

 

Sobald wir diesen Gedanken haben, verlieren wir den Kontakt zum Kind.

Ich denke wir sollten unsere Energie eher auf ein Miteinander richten, gehen wir lieber mit dem Kind als gegen es zu kämpfen <3

 

Ich wünsche euch eine riesen Neugierde auf euer Kind!

 

Alles Liebe

Andrea

 

 ***

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Kategorie: Konflikte lösen

von

Ich bin glückliche Mama eines Sohnes. Kaffee und Kuchen, Querdenken, sowie kitschige Liebesfilme gehören zu meinen Leidenschaften.
Mein Herz schlägt für eine gleichwürdige Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

4 Kommentare

  1. Ich finde das alles sehr einleuchtend. Für mich ist es oft schwer aus alten Mustern zu kommen. Ich möchte auch verständnisvoll sein und in solchen Momenten gut zu reden, aber oft bin ich sauer oder gestresst und genervt und dann ist es schwer am Ball zu bleiben. Auch der Druck von Außerhalb ist stark, da alle einem einreden wollen, dass das Kind einem auf der Nase herum tanzt oder die Autorität untergräbt. Aber ich versuche weiterhin mein Kind besser zu verstehen und mein eigenes Verhalten zu ändern, anstatt immer zu kritisieren.

    LG Kati

    • Andrea Schiefer sagt

      Hallo Kati,

      mir ging es anfangs auch so. Ich nahm mir die Kritik von Verwandten und Bekannten auch immer zu Herzen.

      Doch deren Tipps fühlten sich so falsch für mich an. Deshalb saugte ich mein Wissen aus passenden Büchern . „Liebe und Eigenständigkeit“ von Alfie Kohn kann ich sehr empfehlen.

      Ich vertraute mir und meinem Kind immer mehr. Die Kritik verstummte mit der Zeit.

      Heute ist mein Sohn 4,5 Jahre alt. Ich sehe mein herzensgutes Kind an und weiß, dass dieses Herumerziehen und das „Formen wollen“ nur ein Mangel an Vertrauen in das Kind ist! ❤

      Liebste Grüße

      Andrea

  2. Mamma Mia sagt

    Mit Schimpfen will man nicht unbedingt Angst erzeugen. Diese Aussage ist meiner Ansicht nach viel zu pauschal und wertend. Schimpfen ist auch ein Ausdruck von momentanem Ärger und manchmal auch Überforderung und ist ebenso eine natürliche Reaktion, die reflektiert gehört. Jedoch erzeugt Schimpfen bzw Ärger ausdrücken auch Authentizität in der Familie und zeigt manchmal Kindern, dass die Kapazitäten der Eltern erschöpft sind.

    • Andrea Schiefer sagt

      Liebe Mama Mia!

      Ich definiere Schimpfen so: „In der Verhaltensbiologie bezeichnet „Schimpfen“ eine Form des Drohverhaltens.“

      Wenn du deinen Ärger ausdrückst und das Kind nicht beschämst oder ihm drohst, finde ich nichts falsch daran.

      Liebe Grüße
      Andrea

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